ASP World Tour
Die Zukunft der ASP im Jahr 2010 und danach…
1976 wurde der Grundstein für die Association of Surfing Professionals (ASP) gelegt. 8 Jahre später, 1984 fanden weltweit 20 Events statt und der junge Sport erlebte die Surfwunder Tom Carrol (AUS) und Tom Curren (USA). 1992 wurde dann ein zweistufiges Bewertungssystem eingeführt und die World Championship Tour (WCT, Top 44), sowie die World Qualifying Series (WQS) revolutionierten den Surfsport. Mit diesem Wettkampfformat bekamen jedes Jahr 16 WQS Surfer die Chance in die WCT aufzusteigen. Die großen Surfevents der Surffirmen wie Billabong, Quiksilver und Rip Curl wurden erst in den 90ern ins Leben gerufen und starteten einen unvergleichbaren Siegeszug der Dream Tour.
Der Erfolg der ASP Dream Tour beruhte auf der Anwendung eines konstanten Wettkampfformats, der Unterstützung namhafter Sponsoren und der Anwesenheit der besten Wettkampfsurfer dieser Erde. Nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise und die ungewisse wirtschaftliche Situation vieler Sponsoren, sondern auch durch die Unzufriedenheit der Surfer, wurde es für die ASP in den letzten Jahren immer deutlicher, dass Veränderungen zum Bestehen der Dream Tour notwendig sein würden.
Anfang 2009 brodelte die Gerüchteküche um eine neue, verbesserte Tour, welche die ASP in der obersten Liga des Surfens ersetzen würde. Grund für die brisanten Nachrichten war ein Interview von Kelly Slater mit dem amerikanischen ESPN Magazin. Slater wurde nach 8 Aspekten gefragt, die er gerne im Pro Surfing ändern würde. Daraufhin skizzierte Slater den Weg für eine neuartige Tour. Schnell wurden Slaters Kritik und Anregungen von den Surfern und den Medien aufgegriffen und die Gerüchte einer „Kelly Tour“ oder auch „Rebel Tour“ wurden laut. Terry Hardy, Slaters Manager soll sich sogar bereits in verbindlichen Gesprächen mit Bob McKnight, dem Präsidenten von Quiksilver befunden haben. Der Druck auf die ASP wurde zusehends größer und im Oktober 2009, während des Billabong Pro in Mundaka, trat Brodie Carr, ASP International CEO, vor die Presse und erläuterte die Vorzüge eines veränderten Formats für die Zukunft des Surfsports. Die folgenden Punkte werden sich also im Laufe des Jahres 2010 bei der ASP verändern und dann 2011 erstmalig für das gesamte Jahr in Kraft treten:
- Das zweistufige Punkteformat der WCT und der WQS wird in ein weltweit einheitliches Punkteformat umgewandelt. Dies gibt jungen, talentierten Surfern die Chance, genug Ranglistenpunkte zu sammeln, um bereits im ersten Jahr auf der Tour in der WCT mitsurfen zu können. Die Weltrangliste wird nun also abhängig sein von den Ergebnissen bei der WCT und der WQS.
- Alle Top 45 Surfer müssen in mindestens einem ASP World Qualifying Series Event in Ihrer Region mitsurfen.
- Nach dem Billabong Pro in Teahupoo wird das Format der WCT mit 45 Surfern und 3 Wildcards gekürzt. Nach der Halbzeit werden nur noch 32 Surfer und 4 Wildcards (2 ASP + 2 Event) um die Krone der ASP kämpfen.
- Im Interesse der Surfer wird das Preisgeld erhöht. Das Ausgangspreisgeld wird von $340000 auf $400000 angehoben, womit sich das Preisgeld für das Jahr 2010 von $3.4 Millionen auf $4 Millionen erhöht. Auch die Frauen kommen in den Genuss einer verbesserten Bezahlung. Das Preisgeld für 2010 steigt von $630000 auf insgesamt $800000 an.
- Der ASP World Tour Champion der Männer darf sich nun auf einen Bonus von $100000 freuen, bei den Damen streicht die Gewinnerin zusätzlich $30000 ein.
- Die ASP verbessert zudem die Sozialleistungen für Ihre Surfer. Neben einem kompletten, weltweiten Versicherungsschutz wird auch ein Pensionsplan angeboten.
- Für 2010 sind bei den Männern 10 Tourevents geplant. Der Billabong Pro Mundaka entfällt und wird durch den Rip Curl Pro Peniche ersetzt. Der Billabong Pro Teahupoo wird von Mai auf Ende August verlegt, um so bessere Bedingungen anzutreffen. Bei den Damen steigt die Anzahl der Events von aktuell 7 auf 9 in 2010.
- Zuletzt wird sich das ASP Director Board von 5 Mitgliedern auf 8 Mitglieder erweitern. Ab 2010 sitzen nun 2 Eventvertreter, ein Vertreter für die Surfer, eine Vertreterin für die Surferinnen, 3 unabhängige Vertreter und der Vorsitzende der ASP im neuen Board der ASP. Entscheidungen werden dann von allen Mitgliedern des Direktoriums getroffen, und speziell die Damen dürften über Ihr neues Mitwahlrecht sehr erfreut sein.
David Mailman, Präsident der Association of Surfing Professionals, Europe, befürwortet die Veränderungen, jedoch sind seiner Meinung nach nur „ die minimal notwendigsten Beschlüsse getroffen worden, um die Surfer und die Sponsoren zufrieden zu stellen. Insgesamt hätte mehr getan werden können…“
Mit Mundaka verliert die ASP Dreamtour einen legendären Tourstop. Die ASP zieht mit dem Wechsel nach Peniche Portugal anscheinend die Konsequenzen aus den leider ungünstigen Contest-Bedingungen der letzten Jahre. Leider war Mundaka in den vergangenen Saisonen wirklich vom Pech verfolgt. Aber wenn Mundaka am feuern ist, dann zählt die Welle zu dem Besten, was die ASP World Tour zu bieten hat. Azken agur, Mundaka. Wir werden dich auf der Tour vermissen. Deine Tubes, den besonderen Charme und dein einzigartiges Ritual, den frisch gekrönten Sieger ins Hafenbecken zu werfen.
Ein Ende kann auch der Beginn von etwas Neuem sein. Ola, Peniche. 2009 wurde auf der portugiesischen Halbinsel zum ersten Mal ein ASP World Tour Event ausgetragen. Der Rip Curl Pro Search 2009 war ein voller Erfolg. Die große Auswahl an erstklassigen Spots, die in unmittelbarer Nähe liegen, war ein Erfolgsfaktor dieses Events. Denn wenn ausreichend Swell vorhanden ist, dann läuft irgendwo in Peniche praktisch immer was. Und Swell war mehr als ausreichend vorhanden. Die Finals des Rip Curl Search Peniche 2009 fanden in monströsen Supertubos-Bomben statt. Entweder gab es 9-er Wertungen oder perfect 10s zu sehen, oder der Surfer wurde von den gewaltigen Lippen brutal zermalmt. Letzteres passierte dem Australier Owen Wright, der bis dahin auf dem besten Wege ins Finale war. Unvergessen sind die Bilder, wie er benommen aus dem Wasser taumelt, während Blut aus seinem Ohr rinnt. Kopf hoch Owen, ab dieser Saison bist du versichert. Ob Peniche es schaffen wird sich als Kult-Event auf der Tour zu etablieren, wird sich erst zeigen, wenn Peniche ein paar Saisonen auf dem Buckel hat. Das Potential dafür ist auf diesem Tourstop in Portugal auf jeden Fall vorhanden.
Doch das ist noch nicht das Ende des ASP Tour Makeovers. Auch die Judging Kriterien wurden überarbeitet und neu definiert. Damit soll nun auch im Contestsurfen progressives Surfing gepusht werden.
„Es ist äußerst wichtig, dass die ASP Judging Kriterien an das sich ständig verbessernde high-performance Surfing angepasst wird“, so Perry Hatchett, ASP Head Judge. „Der Entschluss die ASP Judging Kriterien anzupassen kam aus einer Diskussion zwischen unseren erfahrenen Judges und den weltbesten Surfern.“
Das Ergebnis dieser Diskussion sind folgende Kernelemente die beim Judging ab 2010 beachtet werden:
- Engagement (Einsatz) und Schwierigkeitsgrad
- Innovative und fortschrittliche Manöver
- Flüssige Verknüpfung großer Manöver
- Abwechslung bei den Manövern
- Geschwindigkeit, Kraft und Flow
Die Vorgabe für die Surfer lautet, ihre Surfperformance an die Bedingungen und die Location anzupassen. Turns werden an Spots wie Pipeline oder Teahupoo weniger Eindruck auf die Judges machen, also riskante, tiefe und lange Barrels. An Tourstopps wie Trestles werden die Surfer mit flüssig aneinander gereihten Turns bei den Judges punkten. Darüber hinaus lautet die Vorgabe an die Surfer, klassische Manöver mit Newschool-Surfing zu verbinden. Es wird nach einer 75-25 Formel entschieden. Bis zu maximal 75% der Punkte, also eine Wertung von höchstens 7,5, wird an einen Surfer vergeben, der rein traditionelle oder rein progressive Surfmoves zeigt. Die ausstehenden 25% der Punkte bleiben den Surfern vorbehalten, die klassisches und modernes Surfen miteinander verbinden.
Die Wildcards für 2010 stehen fest und Andy Irons darf sich nach seiner Auszeit wieder auf die Dream Tour freuen, genauso wie Neco Padaratz und Luke Stedman. Doch was bedeuten die Veränderungen für unsere europäischen WCT Surfer? Im Jahr 2009 starteten 7 Surfer in der WCT um Europa zu repräsentieren. Für 2010 sind noch 3 Surfer übrig: Jeremy Flores, Tiago Pires und Michael Bourez. Marlon Lipke und Aritz Aranburu werden 2010 Ihr Glück wieder bei der WQS probieren. Also, Daumen drücken im nächsten Jahr.









