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Waschgang #12

Die verschiedenen Aspekte des Mr. Wilson

Damit diese Kolumne nicht zur Tool Time verkommt, wird es heute mal um was anderes gehen als Surfbrettbau. Mit anderen Worten: wir haben noch nicht weitergemacht. Natürlich werde ich der geneigten Leserschaft keine zukünftigen Ereignisse vorenthalten. Es ist nur noch nicht soweit. Laminieren erfordert wochenlange, intensive mentale Vorbereitung.

Aber an dieser Stelle fällt mir etwas anderes auf. Tool Time, diese alte Serie aus den 90er Jahren. Ihr wisst schon: Tim Taylor, der Heimwerker King, und Al Borland, sein Assistent. Tim macht immer alles kaputt, und sich dabei auch noch lustig über Al. Super Sache. Warum das jetzt hier Thema ist? Weil die Serie eine direkte, wenn auch versteckte Verbindung zu unserer Subkultur enthält: Mr. Wilson, der Seriennachbar. Er ist (Achtung, Wikipedia!) „ein hochintelligenter, weit gereister und somit weltoffener Intellektueller, der in einer großen Zahl von Kulturen bewandert ist und deren manchmal bizarr anmutende Traditionen und Rituale auch des Öfteren im eigenen Garten zelebriert.“ Wenn das nicht zur Bewegung des Surfens passt, dann weiß ich auch nicht. Und ich gehe jede Wette ein, dass schon mehr als ein Surfer irgendwelche seltsamen Tänze aufführte, oder sonstwas tat, um die Götter zu beschwören, endlich wieder Wellen zu schicken, wenn es schon viel zu lange flach war. Aber der Witz kommt erst noch. Die Cousins von Mr. Wilson sind in der Serie die echten Beach Boys. Die hatten in Folge 140 einen Gastauftritt und sangen gemeinsam mit ihm ein Lied. Die Beach Boys wiederum heißen nicht nur so, sondern waren tatsächlich integraler Bestandteil der Surfmusikbewegung, die sich Anfang der 60er Jahre in Kalifornien aus dem Rock`n´Roll entwickelte.

Es gibt noch einen anderen Mr. Wilson. Er ist der Nachbar von Dennis the Menace. Dieser Dennis ist schon seit den 50er Jahren eine Cartoonfigur, und wurde dann im Jahre 1993 als Protagonist der gleichnamigen Kinderfilmkomödie auf die Leinwände gebracht. Dieser Mr. Wilson ist nun wieder ein älterer Herr, und zwar der Nachbar der Eltern des Jungen, und seines Zeichens der Einzige, der sich erbarmt, auf die kleine Nervensäge aufzupassen. Sowohl im Cartoon, als auch im Film muss er viele Streiche aushalten, doch eine Szene ließ ihn zum Namensgeber für ein ganz bestimmtes Brettsportmanöver werden: Er rutschte auf einer Bananenschale aus, die der kleine Dennis liegengelassen hatte, befand sich dann eine kleine Ewigkeit waagerecht in der Luft, um dann mit Vollgas auf seinem Arsch zu landen. Der ganz klassische Bananenschalensturz also. Jeder Skateboarder kennt diesen Sturz. Und viele, die nur ein einziges Mal in ihrem Leben auf einem Deck standen kennen ihn auch. Auf einem Surfbrett in einer Welle kann man auch den Mr. Wilson machen. Danach tut einem zwar nicht der Arsch weh, aber dafür das Ego. Oder schlimmer noch, das Gewissen, wenn man nämlich jemanden mit seinem Brett abgeschossen hat. Oder noch schlimmer, die Nase, wenn derjenige sich anschließend noch Genugtuung verschafft hat. Einen Mr. Wilson in vollen Line Ups zu machen ist also unter Umständen eine höchst kritische Angelegenheit.

Übrigens habe ich, in meiner kleinen Welt, immer gedacht, meine Freunde und ich hätten uns diesen Begriff seinerzeit selber ausgedacht. Pustekuchen. Dieser alte Mr. Wilson scheint mir tatsächlich ein stehender Begriff zu sein. Ob das wirklich so ist, würde mich mal interessieren. Wahrscheinlich ist er wohl doch nur meine eigene Erfindung.

Michael Remy

Ein Kommentar
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  1. offensichtlich bedeutet “den mr. wilson machen” neuerdings auch, die sri lankan airlines pro zu gewinnen. guuuutes timing, micha!
    grüsse von einer nicht-surferin ;)

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