Waschgang #11
Ein gelber Tag mit anekdotengeschwängerter Luft, und voll von stilistischer Willkür
Tja. Das Surfbrett. Wer den letzten Waschgang nicht gelesen hat, dem sei gesagt: Ich baue gerade ein Surfbrett. Und dabei kann so einiges schiefgehen. Und jetzt werde ich die Liste der bisherigen Missgeschicke aus der letzen Folge um die neuesten ergänzen. Das Tail war ja, wie gesagt, schon wunderschön mit sonnengelber Farbe angesprüht, als mir schmerzlich klar wurde, dass ich da noch einmal dran würde arbeiten müssen. Ich hatte es viel zu dick gelassen, und diese Tatsache auf wundersame Weise komplett ignoriert. Da wir (mein Freund Freddy* baut sich zeitgleich ein Brett) immer noch auf die Suppe warten, hatte ich etwas Zeit rumzutrödeln. Das bedeutet, ich habe erst heute wieder an dem Brett gearbeitet. Und seit heute weiß ich auch ganz genau, wieso ich mich davor gedrückt hatte. Es war eine recht unbefriedigende Angelegenheit, das jungfräuliche Design wieder von meinem Blank zu schleifen. Beim Schleifen entstand Staub. In diesem Fall gelber Staub. Und davon ziemlich viel. Die Farbe verschwand aber nicht einfach. Auf dem Blank breitete sie sich eher aus. Und das vor allem über die vorher, beim Ansprühen sauber abgeklebte Linie hinaus. Es ließ sich kaum vermeiden. Außerdem wurde alles gelb, womit ich an dem Board arbeitete, von mir ganz zu schweigen.
Die Lage wurde also unterm Strich immer gelber. Alles war im gelben Bereich. Die Lichter standen auf gelb. Gelbe Gefühle dominierten den Raum. Gelb war die neue Farbe. Wenn ich nur lange genug auf der Farbe Gelb herumreite muss ich an zwei Sachen denken: FDP und HLX. Super. Darum hatte ich definitiv nicht gebeten. Man könnte sagen, die FDP hatte ihre klare Linie auf meinem Brett aufgegeben, breitete sich dafür aber immer mehr, auf unkontrollierbare Weise aus, während ich das Tail runter arbeitete. Naja. Das meiste des ausgebreiteten Farbstaubes konnte ich anschließend mit der Luftdruckpistole wieder wegpusten. Mehr schlecht als recht, aber ganz okay. Nur ist, das kann ich leider nicht verhehlen, ein kleines Bisschen die Luft raus aus der Nummer. Es ist immer blöd, etwas reparieren zu müssen, bevor es überhaupt fertig ist. Dafür ist das Tail jetzt einigermaßen annehmbar dünn. Die Rails waren danach immerhin ein regulärer Arbeitsschritt, der lediglich noch ausstand. Ein Shaper bearbeitet die Rails an einem Blank so lange, bis er mit ihnen zufrieden ist. Ich bearbeitete die Rails solange, bis ich glaubte diesen besonderen Punkt erreicht zu haben. Ich meine den Punkt, an dem man eine geringfügige Verbesserung der Lage erreicht hat, die man aber gegen eine erhebliche Verschlechterung der Lage eintauschen wird, wenn man nicht sofort aufhört noch weiter an dem Schaum rumzukratzen. Ich glaube ich habe diesen Punkt knapp überschritten. Aber so, wie es jetzt ist, wird es auch laminiert. Basta.
Jetzt fehlt Harz für den nächsten Arbeitsschritt. Ich persönlich kenne nur die Unterscheidung zwischen Polyester- und Epoxidharz, und ein paar Gerüchte um ihre Eigenschaften. Epoxid ist leichter, Polyester ist leichter zu verarbeiten. Beide sind hochgiftig und brennbar. Vor Jahren konnte ich mal sehen, was brennbar in so einem Kontext konkret bedeutet. Ein Blank wurde mit Epoxid laminiert. Der Harz schwängerte die Luft mit seinem Geruch. Die Luft war dick, und das, obwohl sie kalt und trocken war, denn es war ein kalter Winter. Gegen die Kälte war ein ziemlich starker Heizlüfter aufgestellt worden. Ich glaube, es war ein Bautrockner. Keine Ahnung, wie so ein Bautrockner funktioniert, aber innen drin glühte auf jeden Fall etwas. Ein Bisschen wie in einem Toaster. Die Luft wurde schwanger und schwangerer. Und als sie schwanger genug war, gebar der Bautrockner mit einem dumpfen Knall eine ansehnliche Stichflamme. Das war ein ganz klassisches Aha-Erlebnis. Das ist die Suppe, auf die wir immer noch warten.
Michael Remy
*Name von mir geändert. Wie feinsinnig…







