ASP Women’s World Tour: Zwischenbilanz, Part 2
Die 17 Ladies der ASP World Tour gelten als die besten Surferinnen der Welt. Nach Abschluss von Tourstop Nr. 4 in Sydney, bei dem die amtierende Weltmeisterin Stephanie Gilmore um ein weiteres als strahlende Siegerin herausging, ist beinahe Saisonhalbzeit erreicht. Der ideale Zeitpunkt für uns, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen und euch die aktuelle Top 17 einmal genauer vorzustellen!
3. Sofia Mulanovich
ASP Ranking:3
Roxy Pro Gold Coast: 5
Ripcurl Pro Bells Beach: 2
Taranaki Surf Festival: 5
Commonwealth Beachley Classic: 3
Konsistente Leistungen alle vier Events hindurch, zwei Quarterfinals in Snapper Rocks und Neuseeland, ein Semifinal in Sydney und eine außergewöhnlich gute Performance im Finale in den schwierigen Bedingungen von Bells Beach – Sofia Mulanovich ist bereit zum Angriff. Nicht, dass es jemals anders gewesen wäre: Seit ihrem Weltmeistertitel im Jahre 2004 surft die 26-Jährige stetig ganz oben mit und ist bei ihren Konkurrentinnen eine gefürchtete Gegnerin.
Mit ihrem dritten Platz im Gesamtranking hält Sofia momentan ihre Position aus dem letzten Jahr, in dem sie ebenfalls immer weit oben, aber eben nicht immer ganz oben war. Die Krönung der für sie relativ durchschnittlichen Saison war natürlich der Sieg in ihrem Heimatland Peru an dem Lefthand-Pointbreak von Lobitos, bei dem sie ihrer großen Fangemeinde zu Hause und allen voran Konkurrentin Stephanie Gilmore in Erinnerung rief, weshalb ihr Surfen so gelobt, bewundert und gefürchtet wird: Radikale Backhandmanöver, Schnelligkeit und Aggressivität, die kaum ein Wellenface unberührt bzw. unzerstört lassen. Wäre Sofia Mulanovich nicht Sofia Mulanovich, so wäre sie mit der vergangenen Saison sicher mehr als zufrieden gewesen. Als peruanische Nationalheldin mit hohen Standards hat der ehrgeizige Regularfooter allerdings einen Ruf zu verteidigen – schließlich war Sofia die erste Sportlerin, die Peru in jemals einen Weltmeistertitel nach Hause brachte, weshalb permanent alle Augen auf sie gerichtet sind. Potential für einen weiteren Titel hat sie unbestreitbar, jedoch kann man dies auch von etlichen anderen ASP Ladies sagen.
Ob Sofia 2010 wieder die begehrte Trophäe ergreifen kann oder weiterhin in greifbarer Nähe bleiben wird, ist momentan schwer zu sagen, mit Events wie Peru (–>Heimvorteil) oder Sunset (–>Lieblingswelle) in den Startlöchern. Was mich persönlich jedoch etwas stutzig gemacht hat, war ihr Interview nach dem gewonnenen Semifinal in Bells: Statt dem gewohnten Feuer und der nicht zu bremsenden Siegeslust, wirkte Sofia relativ niedergeschlagen. Als Grund dafür gab sie eine Verletzung im Nacken an, mit der sie bereits seit einem Jahr zu kämpfen hat und die sie in letzter Zeit immer öfter vor Wellen zurückziehen hat lassen, in die sie zuvor ohne mit der Wimper zu zucken hineingezogen wäre. Nach eigenen Angaben sei sie froh, wenn sie in dieser Saison überhaupt kontinuierlich weiter surfen könne – ein Run auf den World Title hört sich etwas anders an.
An diesem Punkt kann man für Sofia auf baldige Besserung hoffen und darauf gespannt sein, was die peruanische Rakete in der nächsten Zeit zu bieten hat – dass sie selbst ihr Bestes geben wird, steht ohne Zweifel.
4. Chelsea Hedges
ASP Ranking:4
Roxy Pro Gold Coast: 3
Ripcurl Pro Bells Beach: 3
Taranaki Surf Festival: 3
Commonwealth Beachley Classic: 9
Sofia Mulanovich sagte einmal über Chelsea Hedges: „Sie ist meine beste Freundin, aber sie ist auch diejenige, die ich am meisten besiegen will.“ Vor der Ära Gilmore und Chelsea’s Schwangerschaft, zu diesem Zeitpunkt noch unter dem Namen Georgeson bekannt, war die peruanisch-australische Rivalität der beiden Roxy-Girls eines der beherrschenden Themen der ASP World Women’s World Tour.
Als 2005 der Zweikampf mit Chelsea’s Sieg endete, gab es kaum eine Surferin, die den blonden Narabeen-Local nicht als eines ihrer Surf-Idole nannte – von etlichen männlichen Surfern, die Chelsea‘s Surfskills „wie ein Mann“ zuschrieben, einmal abgesehen. Neben einem tadellosen Stil, flüssigen und aggressiven Manövern und einer guten Wave-Selection zeichnet sich der heute 26-Jährige Goofy-Footer vor allem durch eines aus: Furchtlosigkeit. Als Teahupoo und Fiji noch Stops bei der ASP Women’s World Tour waren, hatte Chelsea Spaß während viele andere mit den Knien schlotterten. Keine Barrel zu hohl, kein Riff zu scharf und kein Take-off zu tief.
Nach ihrer Babypause hat sich daran wenig geändert, jedoch zeigt die Tour mit weniger heftigen Reefbreaks und mehr softeren Beachbreaks nun ein etwas anderes Gesicht. 2009 schloss Chelsea dennoch mit einem soliden sechsten Platz ab – dass die Zeit der Umgewöhnung vorbei ist, machte sie mit ihrem ersten Platz beim einem 6-Star-Prime-Contest der World Qualifying Series in Magret River und Semifinal-Results in Taranaki, Snapper und Bells Beach mehr als deutlich. Besonders bei letzterem hinterließ Chelsea einen bleibenden Eindruck, der bei den kommenden Stops auf mehr spekulieren lässt. Die „Mum on Tour“ ist weit davon entfernt, häuslich zu werden und Prioritäten umzuschichten. Und ihre Priorität neben Töchterchen Mieka und ihrem Mann Jason Hedges (der übrigens all ihre Bretter shapt) ist ganz klar eines: World Title Nr. 2.
5. Melanie Bartels
ASP Ranking:4
Roxy Pro Gold Coast: 2
Ripcurl Pro Bells Beach: 5
Taranaki Surf Festival: 5
Commonwealth Beachley Classic: 5
Wer eine hawaiianische Prinzessin hinter sich hat und auf Photoshots, PR-Aktionen und eine sehr limitierte Garderobe dem Sponsor zu Liebe verzichten kann, muss wohl einiges zu bieten haben. Bei Melanie Bartels muss man danach nicht lange suchen: Ihre Aerial-und Tuberiding-Skills werden weltweit geschätzt und bewundert. Mit einem innovativen Stil und einem großen Repertoire an New-School-Manöver schließt sich die Hawaiianerin der Riege an gerade dem Grommet-Alter entwachsenen Rookies auf der World Tour an, obgleich sich selbst mit 28 Jahren deren Durchschnittalter deutlich überschritten hat. Melanie Bartels surft außergewöhnlich gut, keine Frage. Was bei ihr eher verwunderlich ist, ist wie sie nach immerhin 6 Jahren auf der Tour dem World Title noch nicht näher kam, als bis zu einem siebten Platz in der vergangenen Saison – ihr Talent kann kaum in Frage gestellt werden.
Fakt ist, dass Mel neben ihren bisweilen doch etwas zu schwachen Nerven mit einigem zu kämpfen hatte in den letzten Jahren: Als aus einfachen Verhältnissen stammender Oahu-Local musste sie 2006 mehrere Events aussetzen, als sie ihr Sponsor im Zuge von Sparmaßnahmen fallen ließ, da sie sich weder Flüge noch Unterkunft am anderen Ende der Welt leisten konnte. Umso bewundernswerter, dass es Melanie dennoch schaffte, sich all die Jahre auf der Tour zu halten – anstatt Geld und Marketing brachten sie einzig und allein ihr Ehrgeiz und ihre sportliche Leistung nach vorne.
Glücklicherweise funktioniert Karma auch im Professional Surfing unddie hawaiianische Prinzessin Abigail Kawaananakoa erhörte 2008 Mel’s Hilferuf nach Unterstützung während der Life-Übertragung eines Contests in Haleiwa. Seitdem wird diese von ihrer wohltätigen Bewundrerin unterstützt und kann sich anstatt über teure Flüge über schwierige Heats Gedanken machen, wie es sich für eine Elite-Surferin gehört.
Melanie Bartels hat sich zum Ziel gesetzt, die Prinzessin und ihre geliebte Heimat Hawaii stolz zu machen – bei einer kontinuierlichen Steigerung ihrer Position im ASP Ranking ist dieses Vorhaben durchaus ernst zu nehmen. Mel’s größte Herausforderung ist wohl ihr eigener Ehrgeiz und ihre Nervosität – schafft sie es, wie beispielsweise in Snapper Rocks, einen kühlen Kopf zu bewahren, könnte der World Title nach 28 Jahren vielleicht demnächst zurück nach Hawaii wandern. Bis dahin lehnen wir uns zurück und genießen Mel’s Anwesenheit auf der Tour, als lebender Beweis dafür, dass einige Frauen sehr wohl das selbe Niveau wie die Elite der Männer haben.
Stay tuned für Plätze 6 bis 9, in Kürze hier im Lineup!
(Text: Katy Link; Photos: www.aspworldtour.com)







