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Waschgang #4

Er hat den Blues

…die surfkolumne…

Hallo Allerseits. Diesmal geht’s direkt los. Es ist nämlich so: ich hab den Blues. Volles Programm. Kein Witz. Aber Kolumne muss ja trotzdem her, ne? Ja, ja. Witzig. Man darf gespannt sein, was jetzt kommt. Schon die ersten Zeilen lesen sich recht unsympathisch. Und überhaupt, schon nach der zweiten Zeile drüber gelesen. So kommt kommt bestimmt keine Stimmung auf. Wäre ich gerade optimistischer gestimmt, würde ich wohl schreiben: Ja, so ist das nun mal, Dude. Mal frisst man den Bären, und mal, na du weißt schon, Dude. Und der Dude sagt: Ja so ist das, Mann. Der Dude macht das schon, Mann. Und dann wieder der Typ: Ja so ist das. Der Dude macht das schon.

Aber ich bin nicht der Dude. Dem Dude geht’s gut. Verdammt nochmal, aber jetzt mal fangen. Wie war das noch? Wellenreiten, -reiten, -eiten, -eiten, —ten, -ten, -en, -en. Da war doch noch was. Bin ich hier überhaupt richtig? Will ich morgen wieder das tun, was ich heute tat? Und dann übermorgen, und dann die Woche drauf, und dann auch noch nächstes Jahr? Was ich meine, ist das Nicht-am-Meer-leben. Und Alles, was sonst noch da dran hängt. Wobei, da fällt mir was ein. Eigentlich sollte das Thema eine eigene Kolumne kriegen, aber ich brauche an dieser Stelle dringend einen Strohhalm.

Die Sache ist die: alle deutschen Surfer sind per Definition Suchende. Als ich zum Beispiel das erste Mal in meinem Leben in Wijk Aan Zee auf `nem geliehenen Bic-Board bei Onshoresturm und überhaupt grauenhaften Bedingungen eine Weißwasserwalze im Liegen gerutscht war, wusste ich wonach ich gesucht hatte. Im Prinzip war´s Glück. Hört sich blöd an, ist aber so. Welcher schlechtgelaunte Local, der nur noch LaFit surft, weil das immer geht, sucht denn noch wirklich Glück im LineUp? Wenn er sich tausend Dinger reinzieht weil er einfach besser surft, sitzt, weiss wo er sitzen kann, etc. Und sich dann trotzdem in Deine Takeoffzone legt, Dich wegblockt, und sich dann die zigste Welle reinzieht, ohne danach besser gelaunt zu sein als vorher? Herzlichen Glückwunsch! Nie erlebt? Nochmal herzlichen Glückwunsch. Sind ja auch wirklich wirklich seltene Einzelfälle. Aber prägen sich halt auch ein. So oder so, wir sind allesamt erstmal Suchende. Bis auf die paar, die es tatsächlich hinbekommen haben ständig, und ich meine ständig im Wasser zu sein. Alle anderen warten doch die meiste Zeit aufs nächste Mal. Nicht auf den nächsten Swell, sondern auf die nächste Gelegenheit, überhaupt irgendwie ans Meer zu kommen. Ich, jedenfalls, ich fühle mich gerade ganz weit weg. Und, das wird mir gerade bewusst, immer dann, wenn sich dieses Gefühl einstellt, meldet sich das Meer, welches ist egal. Das Meer an sich meldet sich und ruft sich in Erinnerung. Es ist immer da, und wartet nur auf uns. Jetzt gerade könnte man drauf schauen, oder eben auch drinsitzen. Irgendetwas wartet auf uns. Und wir suchen es.

Allgemeinplatz: Deutsche gehen noch bei Bedingungen rein, in denen mancher Local nicht mal drüber nachdenkt. Weil wir es zu schätzen wissen. Und ein Grund für unsere besondere Wertschätzung ist die Tatsache, dass die Meisten von uns schlicht vom Meer weggeboren wurden, und, Zeit unseres Lebens, immer die Distanz spüren werden. Gleich wie groß sie auch sein mag. Oder wie klein. Bis in zwei Wochen.

Michael Remy

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