Waschgang #3
Über ein elementares Bedürfnis
…die surfkolumne…
Hallo Allerseits. Und willkommen zum dritten Waschgang überhaupt. Seit Menschengedenken sozusagen. Natürlich haben hier alle Beteiligten schon deutlich mehr Waschgänge hinter sich als nur drei. Womöglich schon Waschgänge in mehr als drei verschieden Ozeanen gehabt. Schon klar. Aber nun zum eigentlichen Thema dieser Textnachricht: In diesem Waschgang werde ich zur Sicherheit, damit sich diese Kolumne auch wirklich in eure Köpfe einbrennt, ein Thema behandeln, mit dem sich alle Surfer identifizieren können: K****n. Nein, nicht Kiffen. Sondern K****n.
Ganz genau. Ist ja schließlich immer so eine Sache wenn man unterwegs ist. Und damit meine ich hier all diejenigen, die vor Allem in ihrem eigenen Bus reisen. Ohne Klo. Jeder hat so seine Methoden, mit dieser Situation umzugehen. Ich habe es mir über die Jahre zur Gewohnheit gemacht, mich gerne in der Nähe von Bars aufzuhalten. Mir scheint es ein fairer Deal mit dem Wirt zu sein, wenn ich einen Cafe Solo trinke, und dafür seine Einrichtungen benutzen kann. Tagelang, jeden Vormittag, immer Cafe Solo, immer im Klo verschwindend. Der Wirt und Ich wissen dann in der Regel ganz genau, was hier Sache ist. Stillschweigende Duldung. Manchmal sehr stillschweigende Duldung, aber, ja natürlich, fast immer sind die Begegnungen von Wohlwollen, menschlicher Wärme, Nächstenliebe, Verbundenheit und äh, Wohlwollen, äh, egal. Geprägt. So. Natürlich kann man es wie auf Partys machen, wo der eine fragt: Ey, wo gibtsn hiern Ascha? Und ein anderer sagt: Nimm doch den Großen, haha. Und dann der Eine wieder: Wie? Echt? Und der Andere dann: Ganz genau, Mann! Du kannst hier einfach überall hinkacken. Wo Du willst. Kein Problem, mach Dich frei, Alter!
Aber da halte ich nicht mehr viel von. Ich glaube, es hat bei mir Klick gemacht, als ich mir mal in Barronco an der Algarve durch ein Meer aus Tretmienen den Weg bahnen musste. Dort ist es die meiste Zeit trocken, deshalb verrottet nichts. Der Boden ist außerdem hart, so dass niemand in die Versuchung kommt ein schnelles Loch zu buddeln. In Barronco ist quasi die Zeit stehengeblieben. Danach fühlte ich mich einfach nicht mehr wohl damit, diesen Zustand mit zu verursachen. Zurück in Deutschland besorgte ich mir einen Klappspaten. Fortan tigerte ich auf Surftrips dann immer mit meinem Spaten los. Irgendwie war ich damit zwar sozialer unterwegs, sah aber bekloppter aus. Vorher konnte wenigstens niemand sehen was ich vorhatte, wenn mich auf die Suche nach einem Plätzchen machte. Mit Klappspaten in der Hand schon. Und so setzte er sich nicht durch. Mittlerweile bin ich also so eine Art Barparasit geworden, zum Wohle der Gemeinschaft.
Zum Wohle seiner eigenen Neurosen hatte ein alter Bekannter von mir eine sehr eigene Art entwickelt, mit den hier geschilderten Notwendigkeiten umzugehen. Er versuchte einfach die ganze Zeit gar nicht auf Toilette zu gehen. Das schaffte er in der Regel gute vier bis fünf Tage lang, wobei seine Laune und sein Gesichtsausdruck, zunehmend und konstant, über die Tage schlechter wurden. Nachdem er endlich mit seiner Strategie gebrochen hatte, war er immer ein ganz neuer Mensch. Im Prinzip ließen sich seine Urlaube immer in Vorher und Nachher einteilen. Es wird hier deutlich: Ich schreibe über ein elementares Bedürfnis, von dem sich hier keiner frei machen kann. Das ist wie mit dem kleinen Arschloch, dass auf der Bühne beim Schülertheater steht und ins Elternpublikum ruft: Ihr habt alle gef***t! Und damit schließt der Text. Bis in zwei Wochen.
Michael Remy








Katy am 2. März 2010 um 14:57
hmmm…. ich versteh ja bis heute einfach nicht, was jungs an dem thema eigentlich so fesselnd finden… ein wahres rätsel ;P
anna am 15. März 2010 um 17:33
kacke ist halt immer ein gutes thema, wenn man kein fernsehen oder andere ablenkungen hat auf nem trip.
Regina am 16. März 2010 um 16:20
Hey – habe 5 mal geschmunzelt und 3 mal laut gelacht