10 Fragen an … Claire Bevilacqua
Sie ist Pipeline-Champion, zieht Airs, als ob es kein Morgen gäbe und verbringt in einem Jahr mehr Zeit an tropischen Sonnenstränden, als so manch einer in seinem ganzen Leben. Dazu sieht sie fantastisch aus, hat Humor, ist bei den Jungs beliebt und auf Partys stets ein gern gesehener Gast. Ganz ehrlich, wenn Claire Bevilacqua nicht so verdammt cool wäre, würden ihr 99% der surfenden (und vielleicht auch der nicht surfenden) Mädchen wahrscheinlich nichts entgegenbringen, als blanken Neid, mich eingeschlossen. Da sie aber zu den undivenhaftesten, lockersten und nettesten Pros gehört, die es in der internationalen Surfszene wohl gibt, muss ich mich nach dem Interview mit ihr der Reihe an Sympathisanten und Bewunderern anschließen.
Falls ihr Ruf noch nicht bis zu allen von euch durchgedrungen ist, sind hier noch ein paar kurze Fakten zu Claire: 1983 in Perth, Westaustralien, als Tochter einer Australierin und eines Italieners geboren, fing „Bevo“, die – sehr zum Missfallen ihrer Lehrer – schon als Kind rebellisch und sehr direkt war, in jungen Jahren mit dem Surfen an. 2003 gewann sie die australische Junioren-Meisterschaft und schaffte 2005, beim ersten Versuch, die Qualifizierung für die ASP World Tour, auf der sie bis 2007 mit surfte. Nach zwei Jahren Pause, die sie u.a. mit reisen, freesurfen, skate- und snowboarden verbrachte, ist sie nun zurück auf der Dream Tour, um es mit Steph Gilmore & Co. im Kampf um den World Title aufzunehmen.
Lineup: Guten Tag, Claire. Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mir dieses Interview zu geben! Du bist also zurück auf der WCT, Herzlichen Glückwunsch! Nur noch etwa 2 Wochen bis zum Roxy Pro – wie fühlst du dich?
Claire: Ich fühle mich rein physisch in Topform – mein guter Vorsatz für das neue Jahr war, all die Laster der letzten Jahre hinter mir zu lassen und es fühlt sich einfach so gut an, einen klaren Kopf und ein Ziel vor Augen zu haben. Ich habe mir selbst große Ziele gesetzt, ganz abgesehen von dem Druck [von außen]. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, gut für mich zu sorgen und jede Möglichkeit, die ich bekomme, viel mehr zu schätzen. Ich glaube fest an meinen Fortschritt.
Lineup: Auf welchen Tourstop freust du dich am meisten?
Claire: Am liebsten würde ich mich auf jedes Event in diesem Jahr gleich freuen, so würde ich zu jedem Contest mit derselben Haltung gehen. Es extrem wichtig ist, eine konstante Motivation beizubehalten, um dauerhaft gute Ergebnisse zu bekommen. Ganz besonders freue ich mich auf Puerto Rico, ich bin noch nie dort gewesen und ich liebe die Latinos in der Karibik.
Lineup: Dieses Jahr wird es einen neuen Stop auf der ASP Women’s World Tour in Neuseeland geben, was viele Leute sehr freut. Allerdings sind es immer noch nicht ganz so viele Stops wie auf der WCT der Männer. Wie stehst du dazu?
Claire: Ich finde eigentlich, dass wir genug Events haben. Ich will nicht wirklich noch mehr Events haben, man muss jetzt schon sehr viel reisen und auf Achse sein. Was ich an den ASP Touren aber ändern bzw. hinzufügen würde, wären mehr WQS Stops für all die Mädchen, die Contests surfen wollen und außerdem mehr Events an fetten, barrelnden Reefbreaks, damit die Mädels mehr in extremeren und anspruchsvolleren Wellen surfen und sich gegenseitig pushen.
Lineup: Stell dir vor, du könntest irgendwo auf der Welt einen neuen Spot für die Women’s WCT aussuchen. Was würdest du wählen?
Claire: Pipeline… das ist mein Traum, ich liebe Blue Crush, es ist eine wahre Geschichte (lacht). Meine absolute Lieblingswelle auf der ganzen Welt.
Lineup: Als Prosurfer bist du ziemlich viel auf Reisen, was uns zugegebenermaßen ein bisschen neidisch macht. Ich finde aber, das könntest du ausgleichen, indem du einige deiner Erfahrungen mit uns teilst. Was ist zum Beispiel, nach Bevo, die am meisten unterbewertete Surf-Destination der Welt?
Claire: Ich liebe es nach Italien zu fahren, mein Dad lebt dort in der Nähe von Rom in einer kleinen, uralten Sommer-Party-Stadt, die auf dem Gipfel eines Berges liegt, umgeben von Wäldern und antiken Gebäuden aus der Zeit vor und nach Julius Caesar. Im August und September gibt es dort Wellen an einigen sehr spaßigen Beachbreaks, Windswell und warmes Wasser. Man surft dann vor einer mediterranen Berglandschaft mit Schlössern darauf, wunderschön. Außerdem gibt es dort das beste Essen, coole Leute, Kultur, keine Crowds und wie gesagt, diesen atemberaubenden Hintergrund. Keiner glaubt wirklich, dass man dort surfen kann und ich liebe es.
Lineup: Gibt es auch ein Reiseziel, der deiner Meinung nach etwas überbewertet wird?
Claire: Ich kann den Ozean gar nicht überbewerten, ich finde ihn immer fantastisch und könnte nicht ohne ihn leben. Was ich aber versuche, ist die Crowds und den Hype zu meiden.
Lineup: Der Roxy Pro findet zur gleichen Zeit wie der Quik Pro der Männer statt, genau wie der Ripcurl Pro in Bells und der Search Contest. Gefällt es dir, Contests mit den Jungs zusammen zu haben oder findest du All-Girls Events besser?
Claire: Ich finde man braucht beides. Aber ich liebe es, mich mit den Männern zu messen und ihnen zuzuschauen, außerdem haben sie alle eine riesige Fangemeinde, die ihnen zu den Contests folgt und das bringt uns Mädels auch mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Es ist immer eine gute Sache, mehr Medienpräsenz und Zuschauer zu haben.
Lineup: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass bei den größeren (Männer-) Contests immer haufenweise Groupies vor Ort sind, um die Pros anzubaggern. Wenn die Frauen dann surfen, sind hingegen aber nicht so viele Jungs am Start, zumindest ist das hier in Europa meistens so. Irgendwie unfair, oder? Was meinst du dazu?
Claire: (Lacht) Hmmmm, lass mal überlegen! Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht ermutigen die Mädchen diese Art von Aufmerksamkeit einfach nicht so sehr. Viele von ihnen haben eine feste Beziehung und wollen wahrscheinlich mehr als nur eine schnelle Nummer oder jemanden der sie benutzt, um sich selbst in Szene zu setzen, weil sie reich und berühmt sind… Als Frau ist man von Natur aus sensibler und emotionaler.
Lineup: Wie motivierst du dich, wenn du im Contest in extrem schlechten Bedingungen raus musst?
Claire: Ein starker Espresso und eine positive Haltung. Ich habe den besten Job überhaupt, momentan würde ich nichts anderes machen wollen und in einen Heat rauszupaddeln kann immer eine gute Erfahrung sein. Ich liebe es einfach, im Meer zu sein und damit zu spielen. Außerdem bin ich an einem Ort mit sehr durchschnittlichen Wellen geboren und aufgewachsen, es fühlt sich also immer an, als würde ich an diesen Ort meiner Kindheit, voller Spaß und Sorglosigkeit, zurückkehren.
Lineup: Was war das Verrückteste, das du letztes Jahr gemacht hast?
Claire: Mich nicht sofort am Spot um Verletzungen zu kümmern, die Dinge also schlimmer werden lassen, weil ich jung und dumm bin. Manchmal denke ich, ich sei unzerstörbar, dabei ist mein Körper in Wirklichkeit ein Tempel und muss stets gut umsorgt werden.
Lineup: Gibt es auch etwas, vor dem du Angst hast?
Claire: Ich will für immer leben, jung zu sterben macht mir Angst. Ich vermeide es immer, heruntergemacht zu werden und versuche, mich von Situationen fern zu halten, die mich schwach oder krank machen. Gebrochene Herzen sind echt beschissen, Liebe kann manchmal auch angsteinflößend sein.
Lineup: Wieviele Bretter hast du während deiner Surfkarriere gebrochen?
Claire: Viel zu viele. Es ist so traurig, wenn sie brechen, solch eine Verschwendung.
Lineup: Du hast drei Brüder, surfen die auch? Wenn ja, macht es ihnen was aus, dass du im Wasser wahrscheinlich viel besser bist als sie?
Claire: Ja, meine großartigen Brüder surfen alle und dass ich besser surfen kann, ist ein heikles Thema. Ich reibe es ihnen nicht zu sehr unter die Nase oder fordere sie heraus, sondern genieße einfach ihre Gesellschaft und bin dankbar, wenn wir uns endlich einmal sehen und miteinander herumhängen und surfen gehen können.
Lineup: Im Internet gibt es eine Menge cooler, kleiner Videos vor dir, wie du surfst und auf Reisen bist. Produzierst du die eigentlich selber?
Claire: Ja, die meisten habe ich selber gemacht. Ich liebe es, kreativ zu sein und mich selbst dazu herauszufordern, neue Dinge zu lernen. Es ist so aufregend einen Moment einzufangen und lohnt sich wirklich. Das Video dann zu schneiden und in die Welt hinauszuschicken, die ihrem Spaß daran haben und es beurteilen kann, ist ja nur ein kleiner Teil am Schluss. Ich mache das für mich selbst und auch um meine fantastischen, treuen Sponsoren zu promoten. Es ist einfach noch ein produktives Hobby, das mir Spaß macht. Wenn die Videos den Leuten gefallen und ich meine Botschaft, das Leben zu lieben, weiter verbreiten kann, dann ist das natürlich noch besser.
Lineup: Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Claire: Ich würde mir wünschen, dass alle meine Freunde und meine Familie für immer leben. Dass die Menschen damit anfangen, Mutter Erde besser zu behandeln, damit wir diesen perfekten Lebensstil, den wir haben, beibehalten können. Und ich würde mir wünschen, dass es keine Gewalt mehr gibt.
Lineup: Was sind deine Ziele für dieses Jahr?
Claire: Um den World Title kämpfen und mich und meine Fähigkeiten immer von der besten Seite zeigen.
Lineup: Vielen Dank, Claire, ich wünsche dir alles Gute für die Saison, keep ripping!
Mehr zu Bevo gibt es auch auf ihrer Twitter-Page:
(Text & Interview: Katy Link; Fotos: Claire Bevilacqua)








catha am 16. Februar 2010 um 16:09
puerto rico?! der stop gehört aber doch gar nicht zu den regulären?!? hat sich da jemand verplappert! btw nice interview!
Manfred am 1. März 2010 um 16:50
Cooles Interview! Für ein Mädchen surft sie wirklich ziemlich gut!
Das eigentlich lustige ist ja, dass in dem Interview eine News drin steckt, nachd er sich etliche Surffans die Finger lecken würden.. Wie catha schon richtig bemerkt hat, ist PR nämlich kein regulärer Tourstop! Was könnte es also sonst sein? Vielleicht WQS? Oder Caribean Pro Tour? Haha
Tobi am 1. März 2010 um 18:39
Na, wir sind schon ziemlich sicher, was sie uns da verraten hat
Und sie surft nicht nur für ein Mädchen ziemlich gut, sie rippt auch 99% der männlichen Surfer in Grund und Boden