10 Fragen an … Paul Grey
Im neuesten Teil der “10 Fragen an …” Reihe haben wir den Zweitplatzierten der diesjährigen QGC unter anderem über sein Leben in Portugal, den Eisbach und seine Zukunftspläne befragt. Lest hier, was der sympathische 20-jährige uns zu erzählen hatte.
Lineup: Du lebst in Portugal, was mittlerweile für erfolgreiche Surfer unter deutscher Flagge ja fast schon Pflicht ist
Wie kam es dazu?
Paul: Hehe, ja es gibt jede Menge deutsche Surfer, die in Portugal wohnen. Wir waren bereits 3 mal nach Portugal in den Urlaub gefahren und als meine Eltern dann entschieden ganz nach Portugal zu ziehen, war ich 10 Jahre alt. Das war ein ganz schöner Sprung von dem Berliner Grossstadt-durcheinander in die abgelegene Algarve. Aber wenn ich jetzt zurückschaue denk ich es ist das Beste was mir passieren konnte.
Lineup: Wenn Deutschland die Wellen Portugals haette, waeren wir dann die Grande Nation des Surfens? Du, die Lipkes, Nicolau von Rupp, haben wir das Talent vielleicht im Blut?
Paul: Also ich denke, dass die Deutschen generell sehr ehrgeizig sind was Sportarten anbelangt. In Olympia zum Beispiel mischen die Deutschen fast überall oben mit. Und ich denke, wenn Wellen vorhanden wären, Deutschland auf jedenfall noch ein Wörtchen mehr mitzureden hätte als im Moment (Marlon). Denn sobald eine Sportart in einem Land möglich ist, wird sie bis zum Limit ausgeübt. Schon jetzt versuchen ja die Sylter und Nordsee-Surfer alles aus den Möglichkeiten zu machen die ihnen geboten werden. Ganz zu schweigen von den Eisbachsurfern, wo Deutschland ja einer der Vorreiter ist und talentmässig ganz schön was zu bieten hat.
Lineup: Warst du selber schonmal in Deutschland surfen? Am Bach/ In Nord- oder Ostsee?
Paul: Ja, ich war schon einmal für ein Wochenende am Eisbach surfen. Hat super viel Spass gemacht, obwohl es schwierig war und ein riesen Unterschied zum Meer darstellt. Nord oder Ostsee war ich noch nicht surfen, würds aber gerne mal ausprobieren. Zum Baden war ich schon öfters an der Ostsee, weil meine Grosseltern in der Nähe wohnen. Aber ich habe nie surfbare Wellen dort gesehen.
Lineup: Du bist dieses Jahr bei den QGC Zweiter geworden, in einem spannenden Finale, bei dem du durch eine Interference gegen Ricardo Lange viele Punkte verloren hast. Wie ist das ganze aus deiner Sicht abgelaufen?
Paul: Das Finale hat mir eigentlich Spass gemacht, abgesehen von den etwas kleinen Wellen. Die stimmung am strand und im wasser war gut. Es war aber auch so dass es alle ernst genommen haben. Somit gab es viel positionierungs-spielchen und das Finale bestand darin sich bei den Sets die bestmögliche Position zu verschaffen. Da war es klar dass es kein einfaches Finale werden würde, vor allem bei dem sehr erfahrenen Ricardo Lange. Die Situation war heikel und weder ich noch er wusste wer die Interference bekommen würde. Ja, es ärgert mich im nachhinein, da ich ohne Interference gewonnen hätte, aber genau das ist Wettkampf und das sind die Regeln. Ich habe meinen Fehler eingesehen und werde hoffentlich daraus lernen. Ausserdem haben wir alle so gefeiert wie Sieger, da ist die Platzierung doch nebensächlich. Oder?
Lineup: Ist das Surfen fuer dich “bloss” ein Hobby, oder planst du deine Karriere weiter auszubauen?
Paul: Im Moment wird es eher zum Hobby, weil ich jetzt angefangen habe zu studieren. Ich habe zwar immer noch Zeit fürs Training, aber Wettkämpfe ausserhalb von Europa sind nicht mehr haltbar, weil ich dadurch wichtige Stunden und Stoff verpasse. Früher hatte ich noch vor, weiter darauf zu bauen irgendwann mal damit mein Geld verdienen zu können. Ich hab keine Luftschlösser gebaut und wollte in die WT, aber WQS reicht ja, wenn man ein paar Runden weiter kommt und das Preisgeld nutzt um zum nächsten Contest zu fliegen. Jedoch ist das Level auch sehr hoch, sodass dies ein anstrengender Weg gewesen wäre. Am Ende hat immer ein bisschen das Geld gefehlt, auch wenn mein Sponsor ONeill und meine Eltern sehr geholfen haben ist das ständige hin- und her-reisen, die Startgebühren, Hotels ect. doch schon etwas teuer.
Aber im Moment denke ich, habe ich einen guten Weg gewählt: Ich habe das Meer in der Nähe, kann surfen gehen und trainieren. Und wer weiss vielleicht kann ich meinen Traum nach dem Studium nochmal in Angriff nehmen und die WQS “aufmischen”
Lineup: Wie sieht dein Training fürs Surfen aus, stehen Workout und Coaching auf deinem täglichen Programm?
Paul: Also tägliches Programm kann man nicht mehr sagen. Ich hätte es gerne so, aber der Trainingsplan meines Trainers überschneidet sich mit meiner Uni. Also komme ich fast nur am Wochenende zum trainieren. Und dann stehen Videocoaching, Physical-Workout und Yoga auf dem Programm. Ab nächstem Jahr werde ich dann wieder in die portugiesischen Nationalwettkämpfe einsteigen und versuchen auf nationaler Basis zu punkten. Unter der Woche komme ich aber auch zum Freesurfing in Wasser, was mir einen guten Ausgleich zum Uni-dasein bietet.
Lineup: Siehst du dich beim Surfen an deinen Homebreaks als Portugiese unter Portugiesen, oder bleibst du “o alemão” egal wie lange du schon dort lebst?
Paul: Obwohl ich hier schon so lange lebe, bin ich immernoch “o alemão” im Wasser. Was wohl eher mit meinen blonden Haaren und dem Aussehen zusammenhängt. Aber auch so wird man respektiert, solange man die Andern respektiert. Wenn ich zum Beispiel an einen Break komme wo mich die Leute nicht kennen dann denken die auch, dass ich Tourist bin und ihnen alle Wellen wegnehmen will. Vor allen an Spots wie Coxos oder Ribeira D’Ilhas wo Localism gross geschrieben wird. Aber sobald die Surfer merken, dass ich Portugiesisch kann und auch nur Fun haben will, wechselt Überheblichkeit meist in Verwunderung und dann in gegenseitigen Respekt.
Lineup: Wo wir schon vo Spots sprechen, wo gehst du am allerliebsten Surfen ?
Paul: Ja, Coxos und Ribeira D’Ilhas sind schon super wellen, die ich sehr gerne surfe. Aber wenns wirklich gut ist und der swell stimmt ist es mir am Coxos meist zu voll! Da paddel ich dann rueber nach Crazy Left (In der gleichen Bucht nur weniger Crowd) Aber am liebsten ist es mir doch zu Hause, an der Algarve am Castelejo. Und die umliegenden Surfspots wie Zavial oder Ponta Ruiva. Also am meisten bis jetzt hat mir die Welle von Trestles gefallen, als wir zu den WSG da waren. Es war 1-1,5 meter schoen glassy und einfach super. Costa Rica, mein letzter trip mit der Nationalmannschaft war auch hammer. Das wasser war super warm und die wellen waren klasse. Jeden Tag nie unter 1,5 meter und immer rippable. Wir habens leider nicht nach Pavones (mega lange left) geschafft, was fuer ein goofy footer wie mich der Traum gewesen waere.
Lineup: Welches ist eine Surfdestination, wo du unbedingt irgendwann mal hin moechtest?
Paul: Ja gute Frage. Die hab ich mir schön öfters gestellt und festgestellt dass ich noch viele Wünsche und Träume hab die verwirklicht werden müssen. Australien wär echt super zum Leben denke ich und da würde sich sicher auch Arbeit in die Richtung finden, die ich studiere. Hawaii wär auch bombastisch. Die Wellen, das Klima und die Leute. Ich kann mir vorstellen dass es da echt toll wär zum Leben. Aber vielleicht baue ich nur Luftschlösser und bleibe letztendlich doch im gemütlichen Portugal, trinke mein Bica (port. expresso) esse mein pastel de nata (port. Süssgebäck) und bin zufrieden. Das klingt auch nicht schlecht…
Lineup: Was sind deine Pläne fuer 2010?
Paul: Also mein Ziel ist es bei möglichst vielen portugiesischen Events mitzumachen. Sei es nationale oder regionale Contests. Einfach um möglichst viel Erfahrung zu sammeln und Spass zu haben. Natürlich werde ich versuchen wieder bei der Deutschen Meisterschaft dabei zu sein. Möglicherweise schaffe ich auch wieder den einen oder anderen Trip mit der Nationalmannschaft. Und desweiteren schaue ich einfach wie es auf mich zukommt. Bei mir kommen die Surftrips immer sehr kurzfristig und noch dazu mit der Uni bin ich ein bisschen an Portugal gebunden aber ich denke es wird ein intressantes Jahr und ich freue mich drauf! Dann möchte ich mich noch bei ONeill für den Support bedanken. Vielen Dank auch an Fatum Surfboards für die super Bretter, die ich im Moment surfe. Und allen Andern wünsche ich schöne Weihnachten und offshore und Tubes fürs kommende Jahr.
Paul, vielen Dank für das Interview und dir alles gute in 2010!
(sab)








Diogo Rosner Fragoso am 11. Januar 2010 um 00:23
Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaaaaaa!
Crazy geht ab!ahah
Hey, lass mal Uni für ein paar Stunden und lass surfen gehen!hehe
Geiles Interview!!!
Hau rein!