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10 Fragen an … Meike Reijerman

Meike ReijermanMeike Reijerman, eine Grande Dame der deutschen Surf-Szene, über  Stress am Peak, Surffotografie, die Vorteile eines Longboards und darüber, was die neu gegründete „Fusel“-Crew mit Barack Obama zu tun hat…

Lineup: Liebe Meike! Erst einmal vielen Dank, dass du dir etwas Zeit für uns nimmst! Vielen Line-up Lesern bist du mit Sicherheit schon als die nette, engagierte Fotografin bekannt, die uns regelmäßig nach der ADH oder der Deutschen Meisterschaft mit tollen Fotos versorgt. Allerdings bist du auch selbst eine leidenschaftliche Surferin und warst 2007 sogar Deutsche Meisterin im Longboarden. Kommst du bei all der Fotografiererei eigentlich überhaupt noch genug selbst ins Wasser?

Meike: Ich bin jedes Jahr 4-5 Monate am Meer, zurzeit hauptsächlich bei meinem Lieblingsstrand in der Nähe von Santander. Klar gibt es viele Stunden, wo ich Kunden habe und am Strand stehe und lieber im Wasser wäre… Aber der Tag ist ja lang und einmal am Tag gehe ich mindestens rein, vielleicht mal nicht zu den besten Bedingungen, aber nach 8 Jahren Surfen in der Nordsee in Holland sind für mich in Spanien die Bedingungen immer noch traumhaft, auch wenn die Spanier schon längst am jammern sind…

Meike ReijermanLineup: Du bist mittlerweile ein Teil der Standard-Besetzung im Longboard-Finale der Damen bei der DM. Jedoch warst du in der Heimat deines Vaters, den Niederlanden, bereits zweimal Meisterin im Shortboarden. Wie kommt es, dass du bei der DM nicht mehr in dieser Kategorie startest? Macht dir das Longboarden mehr Spass? Wenn ja, warum?

Meike: In den letzten Jahren longboarde ich viel mehr als dass ich shortboarde, was nicht heißt das mir Shortboarden kein Spaß macht, ich finde es super! Aber ich nehme das Shortboard eigentlich nur wenn es mir zu schnell oder zu voll wird zum Longboarden…

Warum ich bei der DM nicht shortboarde hängt damit zusammen und ist ein bisschen eine heikle Frage, aber ich werde sie trotzdem ehrlich beantworten: Ich shortboarde nicht gerne in kleinen Wellen und schon gar nicht im Shorebreak und leider werden auf Wettkämpfen die Damen meist genau in diese Bedingungen reingeschickt. Wenn´s größer ist und gut läuft kommen die Männer rein. Das ist auch in Contests in anderen Ländern so oder auf internationalen Wettkämpfen… Leider bin ich hier etwas kritisch, aber meine Erfahrung ist eben so: Close out-Wellen bei Ebbe, halber Meter, Frauen rein…Longboard-Damen dann auch meist in recht kleinen Wellen, aber da habe ich dann immer noch mehr Spaß.

Meike ReijermanGenerell macht mich Longboarden auf irgendeine Art insgesamt zufriedener. Ich habe absolut keine Lust auf Aggressivität im Wasser und mit einem Longboard kann man schneller weg und sich die Wellen an den verschiedensten Stellen schnappen… Man muß sich da nicht am Peak stressen lassen… Man kann auch einfach immer in allen Bedingungen raus und ich bin einfach gerne im Wasser in der Zeit, in der ich am Meer bin. Wäre doch tieftraurig für mich, wenn ich nicht surfen kann, weil ich das falsche Brett dabei habe – Longboard geht ja eigentlich fast immer. Und natürlich machen mir die Longboardmanöver riesigen Spaß, nichts ist schöner als wenn vor Einem nur noch Wasser ist! Auf dem Board Laufen ist ein sehr schönes Gefühl und mir gefällt der Aspekt von Stil, dass es dazugehört, dass man sich bemüht,  das was man macht, gut aussehen zu lassen.

Lineup: Hast du schon einmal einen längeren Surf-Trip nur mit dem Longboard gemacht? Wenn ja, wohin und gab es irgendwelche Probleme z.B. mit der Größe deines Gepäcks?

Meike ReijermanMeike: Lange Trips ja, also viele Monate in Frankreich, Spanien und Portugal, aber immer mit meinem Bus, also geflogen bin ich noch nie mit meinem Longboard.

Lineup: Wie bist du eigentlich zum Surfen gekommen? Was fasziniert dich besonderes an diesem Sport?

Meike: Ich hab mir nach dem Abi mit 2 Freunden ein altes Auto gekauft und fast ein Jahr lang durch USA, Kanada und Mexico damit gefahren. Dabei hab ich in Kalifornien zum ersten Mal Surfer gesehen und zwar an einem einsamen Strand in Nordkalifornien. Die saßen dann wie die Seehunde zusammen im Wasser im Abendlicht und ich war sehr fasziniert von dem Naturschauspiel. Also gar nicht die coolen Typen und die schwierigen Manöver, sondern einfach, dass die da draußen zusammen im Meer sitzen, weit weg von allem Trubel. Und das wollte ich auch! Mich faszinieren verschiedene Aspekte. Zum Einen, was das Surfen mit einem macht, man wird irgendwie wieder zum Kind, hat Spaß, ist positiv und will immer nur noch Eins: Mehr davon! Ich glaube Surfen verändert die Menschen, viele die ich kenne (und auch ich) haben ihr Leben umgestellt, nachdem sie einige Zeit viel gesurft haben. Für die Deutschen ist das natürlich schwieriger, weil es sich schnell um größere Entscheidungen handelt, aber ich habe ja zu der Zeit in Holland gelebt und bin jetzt immer an „meinem local beach“ in Spanien und ich meine, die Leute da bewegen sich oftmals weg von Karriere und Statusbeweisen hin zu „wie laufen die Wellen heute“ und dem Genießen des Heute und nicht ständiges Denken an Morgen. Ich habe da oft Schwierigkeiten mit Bekannten, die nicht Surfen, dass ich mir manchmal denke die verpassen die einmalige Chance im Leben, etwas zu haben, das sie richtig richtig glücklich machen kann. Sie sind schon zufrieden, aber ein fettes Strahlen nach einer guten Welle… das sieht man anderswo manchmal selten.

Meike ReijermanUnd zum Anderen das physische, Sport, manchmal ziemlich hart und anstrengend. Das hat mir schon als Kind gefallen, da hab ich auf 800m Laufen trainiert… und Manöver üben, bis man endlich was kann, was man sich vorgestellt hat, ein super Gefühl.

Lineup: Gibt es auch etwas, das dich am Surfen bzw. an der Surf-Szene stört?

Meike: Drei Dinge: Erstens, wie gesagt Aggressivität im Wasser. Ich war mal eineinhalb Jahre in Lateinamerika und habe da gearbeitet. Ich habe so viele arme Menschen gesehen und so viel Ungerechtigkeit, dass ich mir dann genau in solchen Momenten im Wasser immer denke: Euch geht’s zu gut.

Zweitens, Surfer die vor lauter Vermarktung das Wesentliche vergessen.

Last but not least: Macho-Gelaber in Surfmagazinen.

Lineup: Du wohnst ja die meiste Zeit des Jahres in München. Surfst du auch am Eisbach? Sagt dir der Begriff “Fusel etwas ;) ?

Meike ReijermanMeike: Ich surf manchmal am Eisbach, aber eher so phasenweise, weil es mich leider nie richtig gepackt hat. Ich habe irgendwie Probleme damit, auf einem so kleinen Raum auf die Betonmauer zu zu surfen, dann umzudrehen und wieder zur nächsten Begrenzung hin, nur wenige Meter… Ein bisschen das Gegenteil von der Weite des Meeres… Und dann finde ich persönlich die Lage von der Eisbachwelle auch etwas anstrengend, direkt an der Stadtautobahn mit immer megavielen Zuschauern auf der Brücke… Ich kann aber verstehen wenn es Jemandem Spaß macht, auf jeden Fall! Es ist halt eine andere Art zu surfen, man steht anders auf dem Brett, die Sache mit den Wellen entfällt völlig (Wellen lesen und auswählen) und man surft die Welle ja auch kaum top to bottom, sondern eher so entlang… Aber ich finde übrigens entgegen allem Gehörtem die Stimmung immer super und habe schon viele schöne Stunden da verbracht, wenn`s auch nur beim Surftalk hinten auf der Wiese war, sind viele nette Leute da!

„Fusel“ na klar, die Fusel-Crew haben wir gerade gegründet, tatsächlich in völlig nüchternem Zustand. Hat aber fast gar nichts mit der FUS-Crew zu tun, wir haben da so verschiedene Projekte geplant unter Anderem mit unserer Petition „Mehr Wellen für Alle“ eine Einladung von Obama für einen Crew-Trip nach Hawaii…

Lineup: Was machst du eigentlich, wenn du einmal nicht am Strand bist und Fotos machst oder selbst surfst?

Meike ReijermanMeike: Besuch und Spaß mit Freunden, die sind mir superwichtig in meinem Leben; Lesen, ich bin eine richtige Leseratte und dann halt auf in die Berge (Bergsteigen, Snowboarden…).

Lineup: Wie stehst du eigentlich zu dem Fakt, dass die ASP World Longboard Tour nur einen Bruchteil der Stops der Shortboard-Tour umfasst ? (Bei den Frauen: 1 Stop vs. aktuell 7, Bei den Männern: 2 Stops vs. 10)?

Meike: Wahrscheinlich ist Longboarden eben kommerziell nicht so interessant, es wird viel weniger publiziert und gesponsort. Tatsächlich gab es ja auch schon mal gar keine Wettkämpfe mehr… Für einen Profi muss das ziemlich frustrierend sein, wenn er zu den fetten Wettkampfgeldern der Shoartboarder rüberschielt und selber nur einen Bruchteil davon erhält, selbst als Weltmeister… Eher schade ist, dass die Europäische Frauen Tour quasi abgeschafft wurde, was dem Steigen des Niveaus und der Akzeptanz hinderlich ist. Und daß es in den Nationalteams zwar zwei Longboard-Männer gibt aber keine Frau. Ist doch seltsam? So sind die nationalen Unterschiede im Longboarden teilweise gigantisch, wo es schon eine lange Longboardkultur gibt, liegt selbst das gemittelte Niveau viel höher. Ich denke wenn es an guten Vorbildern fehlt, halten sich die Vorurteile länger… Sei es beim Longboarden oder beim Frauensurfen, man schaue sich mal an was die Französinnen in den letzten Jahren so alles erreicht haben oder wie in England die Longboarder selbst in den schlechtesten Bedingungen abgehen, wo die Deutschen noch auf den Parkplätzen auf die besseren Wellen warten…;-) Ich persönlich finde es allerdings gar kein so großes Problem, es hat ja auch seine Vorteile wenn Longboarden kein Massenphänomen wird…!

Meike ReijermanLineup: Was darf  bei einem Surftrip auf keinen Fall in deinem Gepäck fehlen?

Meike: Meine Kamera.

Lineup: Du bist als Surf-Fotografin ja mittlerweile ziemlich erfolgreich. Was war hier für dich persönlich der Höhepunkt deiner  bisherigen Karriere? Gibt es z.B. ein Event, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist, oder eine Fotosession mit einem bestimmten Surfer, die besonders viel Spaß gemacht hat? Gibt es einen Surfer oder eine Surferin, die du unbedingt einmal fotografieren möchtest?

Meike: Besonderen Spaß macht es mit dem Nationalteam auf einem Contest mit dabei zu sein. Die Euros oder ISA-Weltmeisterschaften haben so einen besonderen Charakter, wenn man die vielen Surfer aus den verschiedenen Nationen sieht und sieht wie viel Emotionen dabei sind und wie verschieden diese Emotionen ausgelebt werden. Das war manchmal richtig rührend!  Surfen als Teamsport ist irgendwie anders aber auch schöner! Und dann die Damen Weltmeisterschaften im Longboarden, weil das Niveau so krass hoch liegt und es so viel Spaß macht so was zu fotografieren. Von denen würde ich gerne Einige mal im Freesurfen fotografieren. C.J.Nelson stände da noch ganz oben auf meiner Liste und natürlich freut es mich ganz besonders, wenn ich gute Schüsse von befreundeten Surfern und Surferinnen hin bekomme! Da kann man sich die Freude so schön teilen!

Lineup: Vielen Dank für das Interview, Meike!

Meike: Vielen Dank auch und vielen Dank an alle Freunde. Gracias a mis amigos.

(Fragen: kal)
(Fotos: Neeltje Reijermann, Jose Pellon, Manuel Martinez, Massi de Campo, Sofia Aymat, Conni Grundmann)

3 Kommentare
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  1. Sweet Interview – tolle Frau!
    Keep surfing!

  2. yeahy, cooles surfboard-design. stripes 4ever :-) )

  3. Me siento una presona horada por
    tener el honor de ser tu amigo y compartir tantos y tantos buenos ratos en nuestras sesiones de surf y en tu playa favorita. Espero seguir por muchos años disfrutando de tu amistad. Gracias amiga

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