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10 Fragen an … Ricardo Lange

Ricardo LangeRicardo Lange sorgte erstmalig bei den Quiksilver German Championships 2008 für Aufsehen, als er auf Anhieb den zweiten Platz in der Open Class der Männer belegen konnte. Der sympathische Deutsch-Brasilianer stand uns nun Rede und Antwort.

Lineup: Ricardo, du hast einen deutschen Pass, bist aber in Brasilien aufgewachsen. Wie kommt’s?

Ricardo: Ja, ich bin in Brasilien aufgewachsen. Mein Großvater war Deutscher, er kam aus Leipzig und meine Mutter, die auch ein bisschen an die Zukunft ihrer Kinder dachte, wollte auch für uns die deutsche Staatsbürgerschaft.

Ricardo LangeLineup: Wo hast du in Brasilien gelebt und wie waren die Wellen dort?

Ricardo: Bis 2001 habe ich in Salvador in Bahia gelebt. Dort bin ich aufgewachsen und habe gelernt in kleinen Wellen gut zu surfen. Dann bin ich nach Niteroi-Rio de Janeiro gezogen, wo die Wellen viel kräftiger reinlaufen. Der Spot ist einer der härtesten in Brasilien und Surfer wie Bruno Santos oder Guilhermi Herdy kommen von dort. Die Welle gibt gute Barrels, ihr solltet mal vorbei schauen, wenn sie gut läuft.

Lineup: Immer mehr Deutsche surfen mittlerweile in der Nord- und Ostsee oder am Eisbach. Könntest du dir vorstellen dort auch zu surfen?

Ricardo LangeRicardo: Klar kann ich mir das vorstellen, ich war auch schon am Eisbach surfen. Ich würde auch gerne mal die Nordsee ausprobieren. Es ist gut wenn Surfen in Deutschland populärer wird, gut auch für die Industrie und es wirft ein gutes Licht auf diejenigen die professionell Surfen. Die machen dann wohl ihren Job nicht ganz so schlecht.

Lineup: Wann und warum hast du dich dazu entschieden für Deutschland zu surfen?

Ricardo: Seit März 2008 starte ich offiziell als Deutscher. Bei den Deutschen Meisterschaften zu starten war sehr wichtig für mich. Ich wollte, dass die Leute in Deutschland auf mich aufmerksam werden und ich in “meinem Land”, das ich jetzt repräsentieren möchte wahrgenommen werde. Dann auch noch für die Nationalmannschaft starten zu dürfen war das beste was mir passieren konnte.

Ricardo LangeLineup: Siehst du dich eher als Vollzeit Pro-Surfer oder hast du noch einen anderen Job oder ein Studium laufen?

Ricardo: Ich sehe mich als ein Vollzeit-Surfer ohne Sponsor. Und deshalb muss ich noch “normale” Jobs nebenher haben. Aber welcher normale Arbeitgeber sieht es schon gerne, wenn sein Angestellter einmal im Monat für eine Woche oder noch mehr unterwegs ist um bei Wettkämpfen teilzunehmen? Also ja, eigentlich bin ich ein Vollzeit-Surfer.

Ricardo LangeLineup: Du hast ja schon bei einigen WQS Contests teilgenommen. Welcher war bisher der wichtigste für dich?

Ricardo: Ja, da waren schon einige dabei, aber ich denke der allerwichtigste kommt noch. Ich trainiere sehr hart und bald werden die Resultate besser werden, da bin ich sicher!

Lineup: Deutschland hat ja international nicht gerade den Ruf sehr gute Surfer zu haben. Was denkst du über die deutschen Surfer, die du kennst? Denkst du es besteht die Möglichkeit, dass wir die Rolle vom Underdog in der Zukunft auch mal ablegen können?

Ricardo LangeRicardo: Ja, auf jeden Fall. Schauts euch doch an. Marlon, Nico von Rupp, ich… aber auch neue Namen können jederzeit dazu kommen. Ich denke wer gut sein will muss einfach nur hart trainieren, gute Wellen finden und bereit sein viel zu reisen. Also ja, ich denke es ist möglich die Rolle abzulegen.

Lineup: Was denkst du über Marlon Lipke, der es ja jetzt endlich geschafft hat und sich für die World Tour qualifiziert hat? Ist er ein Vorbild für dich?

Ricardo: Ich denke es ist großartig für ihn. Er ist ein Freund von mir und er hat es definitiv verdient. Er ist aber nicht direkt ein Vorbild für mich, er hat einfach hart gearbeitet und es geschafft. Vorbilder sind für mich Surfer wie Patrick Beven (ein Franzose der wie ich in Brasilien groß geworden ist) die wirklich ohne die finanziellen Mittel gestartet sind und alles gegeben haben um sich ein Leben als Surfer zu erarbeiten. Er ist zweimaliger Europameister und war dreimal ganz knapp davor sich für die Tour zu qualifizieren. Ich kenne einige Jungs, die wie er sind und die würde ich als Vorbilder bezeichnen, weil sie mir klarmachen wie fokussiert man sein sollte.

Ricardo LangeLineup: Träumst du auch davon eines Tages auf der World Tour zu surfen?

Ricardo: Ja, man weiß ja nie was kommt. Das ist der Traum von jedem professionellen Surfer.

Lineup: Abschlussfrage. Bitte erzähl uns etwas über die Trips und Contests die du in diesem Jahr noch vor dir hast.

Ricardo: Da sind noch 9 Events auf der WQS in Europa. Mein Ziel wäre es unter die besten 15 zu kommen. Aber ohne Sponsoren und ohne Geld ist es einfach hart. Ricardo LangeDie großen Marken sollten uns ‘ne Chance geben. Ich hätte natürlich gerne große Verträge aber jeder weiss, dass dafür die Resultate auch stimmen müssen. Ich arbeite jeden Tag hart für meine Ziele und ich bin sicher, dass ich sie dieses Jahr erreichen kann. Was Trips angeht, würde ich gerne viel mehr reisen, aber im Moment muss ich mich auch finanziell voll auf die Contests konzentrieren. Das mit den Trips kommt dann später.

Ich will mich noch bei Smith Eyewear bedanken und bei meiner Freundin und meinen Freunden, die mir die Möglichkeit geben meinen Traum zu leben.

(Fragen: sab)
(Fotos: Hanibal)

Ein Kommentar
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  1. Força aí!!! Sempre quebrar!!!

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