Reiseführer: Floripa
Wintersurf! Europa gefriert, auf den Kanaren sind die Locals schlecht gelaunt und in Marokko ist kein Platz mehr, um vor Ort zu ankern. Zeit sich in andere Gefilde aufzumachen. Auf nach Florianopolis!
Unter Florianopolis, besser bekannt als Floripa, wird weniger eine Stadt im Südosten Brasiliens verstanden, als vielmehr eine Insel im südlichen Atlantik mit über 40 Stränden, wovon einige davon beste Bedingungen bieten, um einen 1A Surftrip zu erleben. Florianopolis ist dabei die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Santa Catarina, wobei der Hauptteil der Stadt auf der Ilha de Santa Catarina liegt. Auf der Insel spielt sich der eigentliche Grund für einen lohnenden Surftrip ab: jede Menge Beachbreaks mit unterschiedlichen Bedingungen, die für jeden Surfer etwas bieten. Das kann man schon erahnen wenn man sich auf dem Landeanflug einen Fensterplatz ergattert hat.
Hat man die Reise ohne ein Touristenklasse-Syndrom überstanden, so leiht man sich am besten noch am Flughafen ein Auto aus. Damit kann man sich umgehend auf die Erforschung der Südstrände machen, die in unmittelbarer Umgebung des Flughafens gelegen sind. Je nach Swell- und Windrichtung wird hier jeder seine Lieblingswelle finden. Die Meisten werden sich in Campeche wiederfinden, wo, wenn es einmal der richtige Tag ist, eine der längsten Rechten Brasiliens zu brechen scheint, die die Lokals “stolz wie Oskar” gerne mit dem Kürzel “C-Bay” beschreiben. Dass sich aber am richtigen Tag die halbe Insel dort wiederfindet erklärt sich damit von selbst.
Südlich von Campeche sind noch einige weitere Schätze vergraben, die es selbst zu entdecken gilt. Dabei sollte man sich aber bewusst sein, dass oft nur Tagesmärsche an das gewünschte Ziel führen können und man entsprechend vorbereitet sein sollte. Aber es lohnt sich.
Nimmt man die Straße Richtung Norden gelangt man automatisch ins Partyzentrum der Insel: Lagoa da Conceição. Hier nimmt man sich eine von unzähligen Pousadas und achte darauf, dass die Hütte wasserdicht ist. Denn vor allem in der wellenreichsten Saison zwischen September und November hat man es mit unzähligen Litern Wasser zu tun, die sich nahezu täglich auf dieses paradiesische Fleckchen Erde niederlassen. Lagoa da Conceição ist wunderbar gelegen. Zwischen grünen Bergen und einem türkisblauen See, der zu weiteren Sportarten einlädt, ruht tagsüber ein beinah europäisch wirkendes Surf-Nest mit vielen Cafes, das abends dann zu einer Partymeile mit all seinen brasilianischen Vorzügen erwacht.
Wenn einem seine deutschen Wurzeln zu sehr fehlen, der sollte sich im Oktober in das Landesinnere aufmachen, um in Blumenau mit Gleichgesinnten das zweitgrößte Oktoberfest der Welt nach den bayrischen Wiesn anzugehen.
Von Lagoa aus sind die Strände Joaquina und Praja Mohle sehr einfach zu erreichen und bieten nahezu die besten Wellen der Insel. Aber leider auch die meisten Leute, mit denen man umzugehen verstehen muss. Denn es ist leider nun Mal so, dass die deutsche Surffraktion nicht gerade die besten Plätze am Peak gebucht hat und die Brasilianer mit den Amis und den Aussies wahrscheinlich das surfverrückteste Land auf unserem Planeten sind. Kurz, die Lokals surfen gut und nahezu jeder Bewohner dieser Insel scheint zu surfen. Andererseits sind die Brasilianer ein sehr liebenswertes Volk und jederzeit bereit bei einem Caipirinha Probleme vergessen zu lassen.
In Joaquina ist das Problem mit den Leuten allerdings gering, da sich der Strand bis nach Campeche ausdehnt und sich daher für jeden ein Plätzchen finden lässt. Wer nun aber wirklich auf einen Tag alleine am Strand und anschließender Ruhe in der Hängematte besteht, sollte sich auf den Weg nach Mocambique machen. Der längste Strand der Insel (15km) bietet Beachbreaks soweit das Auge reicht. Er ist von einem Naturschutzgebiet umgeben, das den aufkommenden Tourismus bisher noch davon abhält, eine von leider zu vielen Betonburgen an anderen Orten der Insel direkt an den Peak zu setzen (SOS Galheta!). Und die Wellen können sich auch sehen lassen. Schnelle tubige Beachbreaks, die man sich am besten frühmorgens ohne Wind gönnen sollte können, um hier mit der größten Wellenbeständigkeit aller Strände gesurft zu werden.
Nördlich von Mocambique trifft man noch auf weitere Schätze der Inseln. Santinho ist einer, Praja Brava der andere Strand. Bei Südwind sollte man sich die Wellen in Ingleses näher betrachten.
Allerdings hat im nördlchen Teil der Insel der Tourismus etwas überhand genommen und man sollte nicht erschrecken, wenn die tropischen Wälder plötzlich zu grauen Betonklötzen mutieren.
Auf was man bei einem Trip nach Floripa achten sollte ist, dass im Gegensatz zum restlichen Südamerika hier zwar verhältnismäßig viele Leute englisch sprechen, allerdings nicht genug, um portugiesische Grundkenntnisse unabdingbar zu machen. Einen weiteren Faktor stellt das Wetter dar. Die schöne Landschaft tropischer Regenwälder hat ihren Preis, und der heißt Regen. Dabei kann es schon einmal dazuführen, dass nach tagelangen Schauern Dächer nicht mehr dicht sind, es zu Überschwemmungen kommt und hier und da mal ein Hang auf die Straße rutscht. Vorsicht ist geraten! Zumindest eine Regenjacke einpacken oder gleich lieber nur in den Monaten Dezember bis Februar den brasilianischen Sommer genießen. Der dritte Faktor stellt die Tatsache dar, dass man ein Gringo ist und bleibt, und damit rechnen muss über den Tisch gezogen zu werden. Allerdings sind Brasilianer ein überaus nettes und warmherziges Volk, dass sie euch dabei immer nett anlächeln werden! Und bei dem derzeitigen kräftigen Euro kann man durchaus ein paar Cent verkraften, denn im Schnitt zahlt man vor Ort die Hälfte.
Fazit: Floripa ist eine Reise wert. Die Mischung aus Natur, Wellen und Party ist ideal und macht aus tristem Wintergrau einen perfekten Surftrip. In diesem Sinne: Boas Ondas no Brasil! Vamos…
(ing)








Martin am 17. November 2009 um 11:02
Yeah, das klingt gut. Schade nur, dass es so weit weg ist…
jeanjean am 26. November 2009 um 10:17
nice! muss da hin! hab gehört die Karnevalszeit soll dort auch ganz spaßig sein!