Ein Blick auf die deutsche Bodyboard-Szene
Polyethylen? Polypropylen? Das ist der Stoff aus dem Bodyboard-Träume gemacht werden. Statt an Epoxid- oder PU-Harz schmiegt man sich beim Bodyboarden an diese hochverdichteten Schaumstoffe. Diese Boards stehen ihren größeren Brüdern an Wendigkeit und Schnelligkeit in nichts nach und sollten nicht mit den Styroporboards aus dem Supermarkt verglichen werden. Manch einer ist schon erblasst bei den spektakulären Vorführungen der talentierten Fahrer und man fragt sich, wie so ein kleines Brett solch eine Leistung hervorrufen kann. Das Bodyboarden wurde, in seiner jetzigen Form, 1971 von Tom Morey erfunden und hat seit dem langsam aber stetig seinen Einzug in den professionellen Wassersport gefunden.
Bodyboarden hat es mittlerweile geschafft sich auch in unseren Gefilden ein wenig zu etablieren. Wenngleich es immer noch nicht die allzu große Bekanntheit in der Öffentlichkeit hat wie andernorts in Europa. Während in Frankreich, Spanien oder Portugal die Bodyboarder schon lange zum festen Bestandteil des Strandbildes gehören, beginnt in Deutschland erst ein langsamer Einzug dieser trendigen Sportart. Dabei ist die Gemeinschaft in Deutschland eine stetig wachsende Gruppe die schon lange nicht mehr an einen kleinen Biertisch passen würde. Die Szene besteht vorwiegend aus Nord- und Ostseebewohnern, sowie etlichen verstreuten Binnenländlern, die mit Herzblut und absoluter Leidenschaft für ihren Sport einstehen.
Klar, das Bodyboarden hat nicht die Coverage des klassischen Wellenreitens, denn das Bodyboarden ist ein sehr junger Sport. Die Bodyboarder werden aber immer zahlreicher und entern Spots wie TDS mit ihren Seebrücken-Drop-Ins, ohne dass es zu Rangeleien und Gefechten zwischen Wellenreitern und Bodyboardern kommt. Alle kommen wunderbar miteinander aus – und hoffentlich bleibt das auch so. Amüsante Kommentare, von Touristen mit schweizer Akzent, ob man für das Bodyboarden einen Führerschein bräuchte, zeigen einem natürlich noch die Unwissenheit einiger auf, aber irgendwie lässt sich das alles mit einem gesunden Augenzwinkern betrachten.
Jürgen Swinke – sozusagen der Boogie-Opa des Norddeutschen Bodyboardens – Bayman Kiehne und noch ein paar weitere Passionierte bündeln regelmäßig die Gleichgesinnten und schrecken auch keinesfalls vor winterlich, kalten Windswells zurück. Dabei kommen diese dem Aggregatzustand von Eis manchmal sehr nahe. Alles was Nord- und Ostsee dann zu bieten hat, stellt kein Hindernis mehr dar. Das ganze Jahr über ist Saison und die Sponger vom Schluchtenland bis hin zur Küste sind immer herzlich willkommen, denn davon lebt die Szene. Manch kurzfristig organisierter Rundruf sorgt auch schon mal für eine verzweifelte Hetzjagd nach einer Mitfahrgelegenheit, besonders für die manchmal mehr als 600km langen Anfahrtsstrecken zur Küste. Dann zieht es auch den entferntesten Bodyboarder zum gemeinschaftlichen Event, wenn ein Hauch von Pointbreak und Jahrhundertsturm angekündigt wird. Dann heißt es nicht selten: “Ich muss da hin!”
Generell gehören Windguru oder Windfinder, neben morgendlichen Cafe und Tageszeitung zum Alltagsgeschäft, sodass Jürgen und Co. eigentlich immer irgendwo etwas Brauchbares ausmachen. Zudem gibt es noch die Swellchartfreaks, die dank ausgeklügelter Mehrsprachigkeit auch dänische Swelllvorhersagen problemlos deuten und verstehen können, sodass man auch in Dänemark schon mal Atlantikbedingungen im Frühherbst erleben kann. So geht es immer um die Gegend von Nörre, wenn es die Bedingungen zulassen oder auch mal ein paar Stunden gen Osten Richtung Rügen, wo alte DDR-Bleibsel als Bastion für die weitere Erkundung des Wellenareals genutzt werden.
Das erstaunliche Ergebnis ist, dass es eigentlich immer eine Welle gibt. Auch zu Jahreszeiten, wo man glaubt die Boardshort reicht als Equipment aus. Ja, es gibt die Wellen, die teils auch im Hochsommer bei 21°C Wassertemperatur in der Ostsee laufen und wo die Thermik den Wind noch mal zu einer gut surfbaren Welle aufbaut. Unglaublich aber wahr: Schulterhoch surfen in der Ostsee, im Hochsommer inklusive Publikum! Das macht Laune und Lust auf mehr Meer. Es sich lohnt doch auch mal die eigenen Gewässer zu besuchen und sich auf die Suche zu machen.
Nicht all zu selten gesellen sich auch Wellenreiter unter die Gruppe von Bodyboardern. Natürlich auch umgekehrt. Man lernt sich langsam kennen und schätzen. Und so bekommt das Aloha aus dem Geburtsland des Surfens, in dem nicht ganz so mit Wellen gesegneten Deutschland, eine beinahe größere Bedeutung als an seinem Ursprung. Zumindest prügelt man sich hier noch nicht für eine Welle. Und man kann nur hoffen das es so bleibt, wofür jede einzelne Verantwortlich ist.
Man merkt, dass Bodyboarder mehr als nur “rumrutschen” wollen und sich jedes Mal gegenseitig pushen um sich weiter in Niveau und Style zu verbessern und an neuen Manövern zu feilen. Schließlich ist bodyboarden ein sehr technischer Sport, dessen Limit nur an den eigenen Grenzen liegt. Aber es macht eine Menge Spaß sich immer wieder ein bisschen weiter über seine Grenzen zu bewegen.
(los & aka)








b-mann am 10. Juni 2009 um 23:13
Echt guter Artikel! freu mich auf die immer größer werdende Sponger gemeinde in Deutschland.
Würde mich freuen wenn irgendwann mal der gegenseitige respeckt zwischen sponger und standup in deutschland einzug erhält so wie es schon seit beginn des sports in anderen Ländern gelebt wird!
gruß, ein L-Bay Local!