Header Gewinnspiel Community Lineup Verband

Reiseführer: Salvador da Bahia

Blick auf den Elevador LacerdaIm Lineup-Magazin werden wir ab sofort in unregelmäßigen Abständen Reiseberichte veröffentlichen. Sie geben euch hoffentlich Inspiration für euer nächstes Surftrip-Ziel und ein wenig local knowledge auf der Suche nach den besten Spots. Sowohl im Wasser als auch an Land wenn es um Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten oder sonstige Tipps geht. Den Anfang macht ein Bericht über die Region um Salvador da Bahia / Brasilien. Der Text und die Fotos stammen von Ralf Falbe vom Cybertours-X Verlag. An dieser Stelle wollen wir auch nochmal den Aufruf starten, dass ihr das Lineup-Mag aktiv mitgestalten könnt. Wenn ihr wollt, dass euer Reisebericht an dieser Stelle ebenfalls veröffentlicht wird, dann tretet einfach mit uns in Kontakt. Nun viel Spaß beim Lesen.

Geschichte:

Die Allerheiligenbucht (Baia de Todos os Santos) wurde im Jahre 1501 von Amerigo Vespucci entdeckt. Im Auftrag der portugiesischen Krone wurde an dieser Stelle 1549 die Stadt São Salvador da Bahia de Todos Santos gegründet, eine wirtschaftlich bedeutende Hafenmetropole, die bis 1763 Hauptstadt der noch jungen Kolonie Brasilien war. Aus den portugiesischen Enklaven in Afrika brachten die Kolonialherren während dieser Zeit annähernd fünf Millionen Sklaven als billige Arbeitskraft nach Salvador.

Noch heute ist dieses Erbe in den Straßen von Salvador offensichtlich, wo rund 80 Prozent der Einwohner eine dunkle Hautfarbe aufweisen. Aufgrund des blühenden Handels – Sklaven aus Afrika nach Brasilien, Zuckerrohr und Tabak nach Nordamerika und Europa – gelang die Stadt rasch zu aufstrebender Blüte und man begann, die Siedlung auf einem Plateau oberhalb der Bucht auszuweiten. Die Cidade Alta (Oberstadt) wurde gegründet, die mit der Cidade Baixa (Unterstadt) zunächst nur über steile Treppen verbunden war. Später wurden auch Seilbahnen sowie der berühmte Elevador Lacerda (Aufzug) eingerichtet. Oberhalb des schmalen Landstreifens der Unterstadt richtete sich die aufstrebende Schicht des portugiesischen Kolonialreiches ein. Der Stadtteil Pelourinho wurde zum kulturellen, religiösen und wirtschaftlichen Zentrum der jungen Handelsstadt. Neben pompösen Verwaltungsgebäuden wurden prächtige Gotteshäuser und Kathedralen hochgezogen, während man auf dem Kopfsteinpflaster des Stadtteils Pelourinho („Schandpfahl“) Sklaven mit der Peitsche züchtigte.

Favela OndinaHeute ist es gerade diese einzigartige Mischung aus afro-brasilianischen Kulturinseln wie dem Kampftanz Capoeira, der westafrikanischen Religion Candomblé oder der besonderen kulinarischen Vielfalt Bahias, die auch viele Touristen aus Südbrasilien oder Argentinien in ihren Bann zieht. Die Marktfrauen in ihren geklöppelten, traditionellen weißen Röcken und Blusen verkörpern diese afro-brasilianische Kultur auch optisch auf eine eigenständige Weise. Das tropische Klima, welches einen ganzjährigen Besuch ermöglicht, die weiträumige Bucht mit ihren über vierzig Inseln, herrliche Palmenstrände und sehenswerte Kolonialstädtchen sowie Nationalparks im Umland machen Salvador zu einer überaus beliebten Touristendestination: Das Tor zu Bahia – die Pforte zu Brasilien.

Begegnungen:

„Ó paí,ó“ – so heißt ein brasilianischer Spielfilm über den touristischen Stadtteil Pelourinho („Schandpfahl“) und seine Bewohner in Salvador da Bahia; zu erstehen u. a. als Raubkopie für fünf Real bei den Straßenhändlern vor dem Lapa Shopping Center, unweit des Praça Piedade im Zentrum Salvadors. Ein Streifen, der anders als die mit Preisen ausgezeichneten Filme „Tropa de Elite“ oder „Cidade de Deus“ eher weniger auf spektakuläre Szenen von Bandenkriminalität setzt, sondern humorvoll den Alltag in diesem Viertel und dieser Stadt skizziert:
Trotz Minimo Salárío (Mindestverdienst, etwa 400 Real monatlich inklusive freier Kost und Logis) mogelt man sich erfolgreich durch den Alltag, sucht seinen persönlichen Jeitinho (Trick des Überlebens), lebt für den Augenblick und den nächsten Karneval – es wird auf den Straßen zugleich gestorben und geliebt und getanzt. Es ist die Energie der Menschen, die niemanden kalt bleiben lässt. Jorge Amado, Salvadors berühmtester Schriftsteller, bemerkte dazu einmal: „Das Volk ist stärker als die Armut. Auch wenn das Überleben vor lauter Schwierigkeiten und Grausamkeiten fast unmöglich erscheint, das Volk lebt, kämpft, lacht, gibt nicht auf.“

Man tut gut daran, hinter die Kulissen zu schauen, denn aufgrund der günstigen Flugverbindungen nach Salvador da Bahia boomt die Stadt als neues Tor zu Brasilien. Und die europäischen Touristen gelangen alle früher oder später in den Stadtteil Pelourinho, sind hier doch die bedeutendsten Kolonialbauten, Museen, Kirchen und eine komplette historische Barockstadt aus der Portugiesenzeit zu besichtigen.

Man kann tapsige Reisegruppen aus Spanien, Portugal, Argentinien, Holland oder Deutschland beobachten, die mit eigenem Sheriff und Reiseleiter über das Kopfsteinpflaster der Gassen geschleust werden, unangenehm berührt von zahnlosen Bettlern mit aufgeblähten Bäuchen (fast immer ein Zeichen von Wurmbefall und auf verunreinigtes Trinkwasser zurückzuführen) und aufdringlichen Schmuckverkäufern, die bunte Candomblé-Bändchen als gratis Presente anbieten und doch nur ihre überteuerten Holzketten verkaufen wollen. Auch in Brasilien wird ein Geschenk gewöhnlich mit einem Gegengeschenk beantwortet. Capoeira-Tänzer und Frauen in traditionellen Kostümen posieren für zehn Real vor den ausländischen Digitalkameras und Camcordern, oftmals routiniert wie Heidi Klum. Später verweilt man in einem dieser romantischen Cafés in der Altstadt, sitzt auf Plastikhockern, die schief auf dem Kopfsteinpflaster aufliegen und lauscht versonnen den brasilianischen Liedermachern mit ihrer Akustikgitarre. Die Kellner in den blütenweißen Hemden servieren den Touristen aus Übersee überteuertes Bier für fast 8 Real (inklusive Zuschlag für die Musiker und Service) und ernten dafür ein schüchternes „Obrigado“. Die Romantik bröckelt dann doch irgendwann. Zu späterer Stunde wechseln nämlich Ware und Gäste, es erscheinen die Mariposa de la Noite, die Garotas de Programa, die auf Gringofang gehen und sich hier vor der Nachtschicht für fünf bis zehn Real die Nase pudern – Kokain kostet in Brasilien nur einen Bruchteil des europäischen Marktpreises. Man kennt sich, Kellner und Mädchen zwinkern einander zu, es gibt wenig neue Gesichter in der vertrauten Szene und die Toilette ist oft besetzt.

PelourinhoIn der schmuddeligen Gasse hinter den Touristenrestaurants wanken betäubte Gestalten durch die junge Nacht. Die unverwüstlichen Klassiker von Bob Marley, neben Nelson Mandela und Malcom X einer der Helden des schwarzen Salvadors, wehen über das raue Kopfsteinpflaster. Musicá de Malandros – Gangstermusik für die einen, Befreiungsmusik für die anderen. Am Morgen erscheint hier regelmäßig ein Trupp städtischer Angestellter mit einem Hochdruckreiniger und kärchert die Reste der vergangenen Nacht in das Universum.

Nebenan beklagt ein Münchner Kneipenwirt, seit 13 Jahren im Pelourinho beheimatet, dass seine Gäste selbst Glühbirnen und Klopapier vom Lokus klauen würden. Ab sofort, so sein Plan, wird die Toilette so eng zugemauert, dass sich nur noch eine Person hereinzwängen kann. Warum? Nun ja, auf diese Weise gäbe es keine ausschweifenden Sex- und Drogenpartys mehr auf der Klobrille, also weniger Diebstähle und keine lästigen Polizeikontrollen, die mit aufgehaltener Hand nach „Bakschisch“ verlangen. Denn als Gringo, das ist klar, zahlt man hier immer für andere mit – Brasilien eben.

An den strategischen Punkten wacht durchaus das Auge des Gesetzes über den europäischen Touristenstrom, oftmals mit blinkenden Digitalkameras und kostbaren Uhren behangen. Aber auf diese unmotivierte Truppe ist nicht wirklich Verlass, zu gering ist das Einkommen (etwa 800 bis 1.000 Real monatlich), zu verbreitet die Korruption, zu groß das Desinteresse, einem beklauten Touristen beizustehen: Wer sich ein Flugticket nach Brasilien leisten kann, der kann sich auch eine neue Kamera kaufen.

Ein weiteres Problem ist die schwerfällige Justiz Brasiliens – nur rund 10% aller Gewalttäter werden rechtskräftig verurteilt. Also stehen die Uniformierten – wenn sie nicht gerade wieder streiken oder dunkelhäutige Verdächtige verhaften – sonntags grinsend in ihrer Wache und amüsieren sich über die Schlangen von herausgeputzten Touristen, die für ein Konzert der Sambagruppe Olodum neben der Casa de Journalista anstehen. Der Eintrittspreis beträgt dreißig Real und wird ohne mit der Wimper zu zucken gezahlt. Eine Summe, für die sich die Mädchen in der schmuddeligen Cidade Baixa (Unterstadt) bereits verkaufen oder gut gelaunte Drogenhändler bis zu fünf Gramm Kokain verhökern. Daneben die zerlumpten Dosensammler, die das zerdrückte Leergut der Touristen einsammeln und in riesigen Plastiksäcken hinter sich herziehen (manchmal auch mit Diebesgut gefüllt), und die für dreißig Real wohl bald eine Woche lang arbeiten müssten. Und auch der strubbelige Straßenjunge ist wieder da, der immer mit den drei Kokosnüssen vor den Touristen jongliert und auf diese Weise hin und wieder ein durchaus attraktives Einkommen erzielt. Sein Freund ist ein einäugiger Straßenhändler, ein Cachaçeiro (Säufer) mit schmierigem Handkarren, der einzelne Zigaretten, Streichhölzer und Bonbons für wenige Centavos anbietet. Eine Welt, in der die großen Fische die kleinen auffressen.

Und so ist es hier im Pelourinho der auffällige Kontrast zwischen arm und reich, der sich immer wieder unerfreulich bemerkbar macht. Normale Baianos lassen sich hier denn auch so selten wie möglich blicken, gilt der Stadtteil doch als touristisches „Disneyland“, in dem alles völlig überteuert ist und sich nächtens nur verdorbene Mitmenschen herumdrücken.

Stadtrundgänge & Sehenswürdigkeiten:

Ein Stadtrundgang beginnt oft im Pelourinho, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Cidade Alta (Oberstadt) erkundet man am besten vom zentralen Praça Tomé de Souza aus, wo auch der 1930 erbaute Aufzug, der Elevador Lacerda, die Menschen in die Unterstadt befördert. Rechts vom Eingang zum Aufzug liegt der prächtige Palácio Rio Branco, in dem bis 1979 der Gouverneur seinen Sitz innehatte und wo sich heute ein Museum befindet. Den Platz flankieren mehrere flache Nutzbauten und historische Barockfassaden, die lediglich von Stahlträgern gehalten werden und entkernte Gebäudekomplexe verdecken. Der Ausblick über die Unterstadt auf den Atlantik ist beeindruckend, man kann ankernde Containerschiffe, die Festung Forte São Marcelo und am Horizont die Insel Ilha de Itaparica ausmachen.

Salvador ShoppingWendet man sich nach rechts, dann führt der Weg zum Praça da Sé, wo die Stadtbusse abfahren, und weiter zur Avenida Sete de Setembro, die sich wie eine Perlenkette bis nach Barra schlängelt. Für den Fußmarsch benötigt man stramme zwanzig Minuten und passiert dabei pulsierende Straßenmärkte im Centro Historico, das Teatro Castro Alves und Goethe-Institut in Campo Grande sowie spanische und französische Kultureinrichtungen, bis man den kleinen Stadtstrand Praia do Porto da Barra und den Farol da Barra (Leuchtturm) erreicht.

Wendet man sich vom Praça Tomé de Souza hingegen nach links, dann stößt man nach wenigen Schritten auf den mächtigen Platz Praça Terreiro do Jesus, dominiert von der gewaltigen Bischhofskirche Catedral Basìlica. Der Bau wurde 1672 errichtet und gehört mit seiner beeindruckenden Kassettendecke und reich verzierten Fassade zu den schönsten Gotteshäusern Lateinamerikas. Auf dem Platz trainieren oft Capoeira-Tänzer, die für eine Handvoll Real vor ausländischen Kameras posieren. Zu später Stunde eröffnen dann Buden und mobilen Stände ihre Theken und Samba-Gruppen spielen auf. Gegenüber der Catedral Basilica liegt die beeindruckende Kirche São Pedro dos Clèrigos sowie die reich verzierte Igreja de São Domingos aus dem 18. Jahrhundert. Folgt man links der gepflasterten Gasse Alfredo Brito, in der sich unzählige Boutiquen, Souvenirläden und Restaurants angesiedelt haben, gelangt man nach wenigen Schritten auf den Largo do Pelourinho, wichtiges Herzstück des barocken Viertels. Hier war es, wo Michael Jackson mit der Samba-Gruppe Olodum seinen spektakulären Video-Clip drehte und den Ruhm der südamerikanischen Trommler begründete. Mit der Bekanntheit kam auch in den frühen 90er Jahren ein nie gekannter Geldsegen in die Altstadt und in einem städtebaulichen Rundumschlag konnten etliche marode Ruinen saniert werden. Wo noch vor wenigen Jahren Obdachlose, Straßenkinder und Gangster umherstreunten, spazieren heute Gruppen von Touristen über das Kopfsteinpflaster. Die Immobilienpreise sind seitdem geradezu explodiert und der Stadtteil Pelourinho zählt mittlerweile zu den teuersten Distrikten Salvadors.

An der Stirnseite des Platzes liegen zwei wichtige Museen, das afro-brasilianische Museu da Cidade und die Stiftung zu Ehren des Schriftstellers Jorge Amado, die Casa de Jorge Amado. Wechselnde Ausstellungen dokumentieren eindrucksvoll das Schaffen von regionalen Künstlern und der schwarzen Gemeinde Salvadors. Was von romantischen Europäern gerne übersehen wird, ist der brasilianische Rassismus, der bis heute von vielen hartnäckig geleugnet wird. Bemerkenswert ist, dass sich viele Schwarze – aus Scham über jahrzehntelange Diskriminierungen – selbst nicht als dunkelhäutig bezeichnen. Morena ja, aber Negrita? Der Kampftanz Capoeira oder die in Kultstätten ausgeübte afro-brasilianische Religion Candomblé finden daher regen Zulauf. Ein offenes Bekenntnis zu dem afrikanischen Erbe, das sich allerdings an den Widersprüchen der modernen brasilianischen Gesellschaft reibt.

Fährt man mit dem Elevador Lacerda in die Unterstadt (Cidade Baixa), führt der Weg zunächst in die Markthalle Mercado Modelo, wo unzählige Souvenirhändler auf kaufkräftige Touristen warten. Feilgeboten werden Hängematten, Schnitzereien, Gemälde, Schmuck, Trommeln sowie Pfeil und Bogen aus Amazonien. Unweit steht die Kirche Nossa Senhora da Conceição da Praia, die im 18. Jahrhundert aus portugiesischem Marmor erbaut wurde. Die Deckenmalerei gilt als einzigartig und als wichtiges Zeitdokument der frühen brasilianischen Kunstschule. Am Hafen stößt man auf den Terminal Nautico, wo die Boote zur Ilha de Itaparica und nach Morro de São Paulo ablegen, den bedeutendsten Naherholungszielen Salvadors.

Strände & Aktivitäten:

Praia do Barra-SalvadorStrände:
Am überlaufenen Stadtstrand von Praia do Porto da Barra werden die Liegestühle und Sonnenschirme für je zwei Real vermietet. Man trifft auf viele bekannte Gesichter aus dem Pelourinho, denn sowohl Schmuckverkäufer als auch Mädchen pendeln aus beruflichen Gründen zwischen beiden Stadteilen. Überhaupt: Das brasilianische Selbstverständnis am Strand unterscheidet sich doch sehr von den europäischen Vorstellungen. Während die blassen Touristen aus Übersee sich über menschenleere Strände freuen, hockt man hier gerne auf einem Haufen und freut sich bei über 7.000 Kilometern leerer Küste über Gesellschaft und Radau. Es werden Fleischspieße, Garnelen, Kokosnusssaft und eiskaltes Bier gereicht, aber auch Bikinis, Sarongs, Sonnenöl in kleinen Tuben und bunte Holzketten. Und natürlich verstohlen auf Wunsch auch Betäubungsmittel oder schneller Sex – mit Männern, Frauen oder Transvestiten, je nachdem. Und auch das Sugar-Daddy-Syndrom ist nicht unbekannt. Im Straßencafé „Macau“, mit Blick auf die lebhafte Bushaltestelle, werden täglich die Karten neu gemischt, Herzen gebrochen und Aufträge gesammelt. Hier arbeiten Profis, deren Job es ist, „Amigo“ zu sagen.

Ein hagerer Althippie, ein hellhäutiger Carioca, erzählt in Englisch von seiner Zeit in den USA und in Rio de Janeiro: „In Rio sitzt du abends im Bus, alle gucken sich paranoid an und warten darauf, dass irgendwer der Gangster ist und gleich ´ne Knarre zieht.“ Er schwärmt von seinem sonnigen Arbeitsplatz an der Strandpromenade, wo er neben den unzähligen Schmuck- und Bierverkäufern gebrauchte englische Bücher tauscht und anbietet. Die Sonne geht irgendwann unter, die Menge unten am Strand klatscht Beifall und er grinst zufrieden: „Nun, heute hat sie wieder einen guten Job gemacht.“ Was morgen kommt, das wird Gott schon richten.

Die brasilianische Mittelschicht trifft sich an den Stadtstränden von Ribeira. Zu erreichen für zwei Real von der Unterstadt aus, direkt vor dem Elevador Lacerna halten die Busse mit der Aufschrift „Ribeira“ oder „Bonfim“.
Mit dem Bus gelangt man für zwei Real von dem Praça da Sé via Itapuã bis nach Praia da Flamengo, dem schönsten und letzten Stadtstrand Salvadors, wo sich in den zahlreichen Strandbars wohlhabende Baianos amüsieren. Die Lagune Lagoa de Abaeté liegt gleich landeinwärts bei Itapuã, einem Vorort Salvadors mit langen Sandstränden, und ist sonntags als Ausflugsziel sehr beliebt. Am Praia Corsário finden Surfer einen Boardverleih und eine Surfschule, während der Praia Pituba bereits wieder mit dichter Bebauung einen eher städtischen Charakter aufweist. Als Geheimtipp gilt der Lago Aratuba, der in Sichtweite der 3-Millionen-Metropole Salvador liegt. Weißer Sand, sauberes Wasser und – unter der Woche – traumhafte Ruhe garantiert.

Einen guten Überblick bietet auch eine organisierte Stadtrundfahrt mit dem touristischen Salvador Bus, www.salvadorbus.com.br.

Aktivitäten:
C & C Turismo, Ladeira do Carmo 8, Pelourinho, www.cecturismobahia.com.br, Stadtrundfahrten, Candomblé-Zeremonien, Inselfahrten, Ausflüge nach Praia do Forte, Anne Simonet stammt aus Toulouse und spricht auch Englisch.

Candomblé:

Straßenkind SalvadorIn Salvador, der „schwärzesten“ Stadt Brasiliens, sind die Geister und Götter Afrikas allgegenwärtig. Der afro-brasilianische Kult heißt hier „Candomblé“, verzeichnet steigenden Zuwachs und die katholische Kirche hat den Kampf gegen die fast 750 Religionstempel in der Stadt längst aufgegeben. Selbst ein Museum, das Museu da Cidade am Largo do Pelourinho, widmet sich diesen Kultstätten, denen rund 175 Kirchen gegenüberstehen.
Zahlreiche Läden, nicht nur in der Altstadt, bieten Anhängern und Kunden geheimnisvolle Kräuter, Wässerchen oder lebensgroße Abbildungen von Gottheiten. Afrikanische Schlaginstrumente und Trommeln spielen ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle bei den mystischen Ritualen und farbenprächtigen Festen. Candomblé-Sitzungen gehören heute zum festen Bestandteil des touristischen Angebots und lassen sich wie eine Stadtrundfahrt überall im Pelourinho buchen.

Unterkunft:

Tamboleiro Hospedaria, Ladeiro do Carmo 7, Pelourinho, Tel.: 8872-3021, www.tamboleiro.com.br, Apartments auf Zeit, Vermieterin Edith stammt aus Rio Grande de Sul und ist deutschsprachig.

Suites do Pelo, Rua Frei Vicente 39, Pelourinho, Tel.: 3322-4345, www.suitesdopelo.com.br, ruhige Zimmer ab 35,00 Real pro Tag. Betreiber Giovanni spricht etwas Englisch und ist großer Italien-Fan. Auch Apartments auf Zeit.

Pousada Planeta Itapuã, Rua Aristides Milton 249, Praia de Itapuã, Tel.: 8858-3268, www.pousadaitapua.com, unweit vom Flughafen und in Strandnähe gelegen, Einzelzimmer ab 40,00 Real.

Musik & Nachtleben:

Es empfiehlt sich, einen Blick in die Tageszeitungen wie A Tarde zu werfen. Dienstags ist der wichtigste Tag im Pelourinho, dann spielen an jeder Ecke Bands und Samba-Gruppen.

Im Stadtteil Rio Vermelho, neben Pituba und Barra wichtigstes Herzstück des Nachtlebens abseits vom Pelourinho, findet der anspruchsvolle Pistengänger mehrere Discos wie die angesagten Clubs „Boomerangue“, „SR40“ oder „Twist“. Die Hautfarbe in diesen kostspieligen Spaßtempeln ist fast ausschließlich weiß, selbst gemischtfarbene Pärchen sind selten.

Der letzte Bus verkehrt gegen 23:00 h, danach kostet ein Taxi von Rio Vermelho zum Praça da Sé rund 25 Real. Die Busse fahren via Ondina, wo auch eine schlecht beleumdete Favela liegt, so dass hier zu später Stunde mitunter auch etwas raue Fahrgäste zusteigen, die auf dem Weg in den Stadtteil Pelourinho sind. Nachtschicht für Gangster eben – bad guys don´t get up early.

Boomerange, Rua da Paciència 307, Rio Vermelho, Tel.: 3334-6640, Diskothek und Club.
The Twist Pub, Rua Joáo Gomes 95, Rio Vermelho, Tel.: 3334-1520, Livemusik und Bar.
Club Lotus, Avenida Marques de Leáo 46, Ed. Oceanico, Barra, Tel.: 3264-6787, Treffpunkt der Oberschicht.

Bei den Touristeninformationen, u. a. am Flughafen, erhält man das monatliche Veranstaltungsprogramm Guia Pelourinho Cultural, ein kleines Heftchen mit aktuellen Konzert- und Kulturtipps. Info: programapelourinhocultural@gmail.com. Neben dem weltberühmten Karneval gilt das São João Festival, welches regelmäßig im Juni stattfindet, als kulturell hochkarätigste Attraktion der Metropole. Angesagte Helden der Musikszene wie Daniela Mercury spielen dann umsonst auf dem zentralen Platz Terreiro de Jesus im Pelourinho, ebenso finden gratis Konzerte in ganz Bahia statt.

Theater & Kultur:

Teatro Castro Alves, Praça Dois de Julho, Campo Grande, Tel.: 3339-8000, www.tca.ba.gov.br, wichtigste Kulturinsel der Stadt, gegründet 1948, fasst bis zu 1.550 Besucher. Empfehlenswert auch tagsüber das angeschlossene Restaurant, wo man preiswerte Buffet-Gerichte um 18 Real verzehren kann.

Teatro XVIII, Rua Frei Vicente 18, Pelourinho / Centro Històrico, Tel.: 3322-0018, www.theatroxvii.com.br, erst 1997 gegründet und beliebt wegen der ansprechenden Lesungen, und künstlerischen Darbietungen von Nachwuchstalenten.

Teatro Sesi, Rua Borges dos Reis 9, Rio Vermelho, Tel.: 3335-1529, www.sesi.fieb.org.br, familiäres Haus mit Schauspiel und musikalischer Performance.

Essen & Trinken:

Cafelier, Rua do Carmo, Pelourinho, Tel.: 3241-5095, www.cafelier.com.br, wunderschöner Panoramablick über die Dächer der Unterstadt auf den Atlantik. Tellergerichte um 10 Real, Caipirinha 4 Real.

Alquimia Café, Ladeiro do Carmo, Pelourinho, neben dem Hostel Kofico gelegen, Travellerkneipe mit preiswerten Gerichten unter 10 Real, Inhaber Christopher ist aus Seattle.

Spaghetti Lilás, Rua Prof. Fernando Luz 75, Barra, Tel.: 3237-9592, erstklassige Pastagerichte für den gehobenen Anspruch.

Verkehrsverbindungen:

Vom Flughafen aus gelangt man am preiswertesten mit dem Flughafenbus (4 Real) in die Stadt. Der Bus fährt alle 20 Minuten via Pituba und Barra bis zum Praça da Sé nahe dem Pelourinho und benötigt bis zur Endstation rund 90 Minuten. In Salvador verkehren preiswerte und sichere Stadtbusse bis 23:00 h, die 2 Real kosten. Man steigt hinten ein und bezahlt beim Schaffner vor dem Drehkreuz. Zu späterer Stunde empfiehlt sich ein Taxi, auch aus Gründen der Sicherheit.

Den Busbahnhof (Rodoviária) von Salvador erreicht man mit dem Taxi vom Pelourinho aus für 15 Real oder aber mit dem Bus vom Praça da Sé für 2 Real (Richtung Iguatemi). Täglich zweimal, um 9:00h und um 13:00 h, startet ein Katamaran nach Morro de São Paulo, das Ticket kostet 60 Real. Abfahrt im Terminal Nautico hinter dem Mercado Modelo in der Unterstadt (Cidade Baixa).

Inlandsflüge mit der neuen Gesellschaft Webjet, www.webjet.com.br, erleichtern das Reisen bei großen Entfernungen.

Reisevorbereitung:

Anreise: Deutsche Staatsbürger erhalten bei der Einreise ein kostenloses Touristenvisum in den Reisepass gestempelt, das zu einem Aufenthalt von bis zu 90 Tagen berechtigt.

Reisezeit: Salvador kann ganzjährig bereist werden, wobei zu Zeiten des berühmten Karnevals mit überhöhten Preisen und ausgebuchten Hotels gerechnet werden muss. Im Juni lassen sich oft preiswerte Flugtickets buchen, so dass auch das São João Festival besucht werden kann.

Gesundheit: Impfungen werden nicht vorgeschrieben, es empfehlen sich aber die Standards gegen Polio, Tetanus und Hepatitis A zu beachten. Für einen Besuch der Amazonas-Region sollte man sich gegen Gelbfieber impfen lassen. Die Aufklärungsrate im Kampf gegen Aids liegt erfreulich hoch und der Gebrauch von Kondomen gehört fest zum brasilianischen Alltag. Eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport sollte im Gepäck nicht fehlen. Tipp: www.gesundes-reisen.de.

Geld: Ein Euro entspricht derzeit rund 2,5 Real. Man findet überall Geldautomaten, die auch EC-Karten (Maestro) akzeptieren. Auf umständliche Reiseschecks kann also verzichtet werden. Am Flughafen von Salvador findet man mehrere Wechselstuben, die alle einen guten Kurs ohne Gebühren bieten. Bei Barabhebungen an Geldautomaten ist besondere Vorsicht geraten. Pro Tag und Karte können max. 1.000 R$ abgehoben werden. Der Bargeldtransfer mit Western Union und Postbank funktioniert einwandfrei, kostet aber Gebühren.

Sicherheit: Auf Uhren und Schmuck verzichten, Rucksäcke und Taschen vorne tragen. Es ist immer vorteilhaft, in Gruppen oder zu zweit aufzutreten, gerade in einsamen Gassen zu später Stunde. Eine „Überfallbörse“ mit einer geringen Menge Bargeld sollte immer dabei sein, während der Tagesbedarf an eine andere Stelle gehört. Im Pelourinho zu später Stunde nur die Hauptwege nutzen und ansonsten mit dem Taxi fahren. Gezielte Raubüberfälle auf Flughafenbusse, wie etwa in Rio de Janeiro oder São Paulo schon geschehen, sind die Ausnahme in Salvador. Bei Überfällen sollte generell kein Widerstand geleistet werden! Oft stehen die Täter unter Drogeneinfluss und haben nichts mehr zu verlieren. Es gilt: Was man nicht mitnimmt, das kann nicht verschwinden.

Sprache: Portugiesisch ist existentiell, es empfiehlt sich das Mitführern eines handlichen Lexikons und eines Sprachführers (z. B. aus der Kauderwelsch-Reihe von Reise Know-How). Vor Ort lassen sich problemlos Sprachkurse organisieren, ist der Markt doch hart umkämpft.

Sprachkurse: Fluéncia Brasil, Tania Cavalcante, Ladeira do Carmo 6, Pelourinho, Tel.: 5571-3494, www.learninbrazil.com, individuelle Portugiesischkurse, Tania spricht auch gut Englisch und verfügt über eine lange Erfahrung in der Ausbildung.

Anreise:

Mit der Fluggesellschaft Condor, www.condor.com, nach Salvador da Bahia. Weiterreise mit Bussen oder Inlandsflügen: Condor kooperiert mit der brasilianischen Gesellschaft GOL, www.voegol.com.br, so dass Fluggäste künftig mit ihrem Condor-Ticket nach Rio de Janeiro, São Paulo, Brasilia, Fortaleza, Maceió, Natal und Belo Horizonte weiterfliegen können .

Reiseführer:

„Salvador da Bahia: Budget-Guide“, cybertours-x Verlag, hilfreicher Band für Individualreisende mit vielen Adressen und Auflistung preiswerter Unterkünfte, erscheint zum Herbst 2009. Info: www.cybertours-x.de.

Information Brasilien:

www.viajeaqui.com.br

(Text + Fotos: Ralf Falbe)

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. war erst kürzlich dort, echt tolle pousada unter dt. Leitung, kann ich nur bestens empfehlen,
    gruss an alle brasilienfans

Schreibe einen Kommentar