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Reiseführer: Papua-Neuguinea

Papua NeuguineaZweiter Teil der Lineup-Reiseführer Serie. Diesmal verschlägt es uns nach Papua Neuguinea, von wo Konrad Borowiecki berichtet. Viel Spaß beim Lesen und träumen von wärmeren Gefilden.

Wenn wir an fantastische Surfspots in der Welt denken, kommen uns zuerst Hawaii, Australien, Mexiko, Kalifornien und Portugal in den Sinn. Aber es gibt einen weiteren Spot auf der Landkarte des Surfens – unentdeckt, unverbraucht, atemberaubend und exotisch. Dieser Ort ist wie gemacht für die wintermüden europäischen Surfer, die aus dem Fenster in den grauen Himmel starren. Es ist ein versteckter Zufluchtsort, weit weg. Dieser Ort wird selbst die Skeptischen überzeugen, denn er bietet anspruchsvolle Wellen, die an Traumständen brechen sowie exzellente Riffe und Points ohne Menschenmassen. Nur wenige haben diesen Fleck bereits für sich entdeckt und Reisebüros bieten selten Reisen zu diesem Ziel an – das macht den Spot zu einem Traum für Surfer: Welcome to Papua-Neuguinea.

Papua NeuguineaPapua-Neuguinea (PNG) liegt 160 Kilometer nordöstlich von Australien und gerade unterhalb des Äquators. Das Land – entdeckt im 16. Jahrhundert von den Portugiesen – ist abwechslungsreich und malerisch, besitzt dichte, tropische Regenwälder, Hochebenen, lange Flüsse, tropische Inseln und weiße Sandstrände. In Papua-Neuguineas 19 Provinzen leben fünf Millionen Menschen unterschiedlicher lokaler Kulturen. In dem Land werden 18 Sprachen gesprochen, die Hauptsprache ist Pidgin und wird in ganz Papua-Neuguinea gesprochen. Seit 1975 ist das Land unabhängig, aber dennoch werden viele alte Traditionen, durch Rituale zu Geburten, Hochzeiten, zum Abschied von den Toten und bei anderen Ereignissen am Leben erhalten. Reisende können in die Kultur eintauchen und die lokalen Unterschiede in Bräuchen, Ritualen und Tanz in einer Vielzahl so genannter Sing-Sing-Shows erleben. Diese Stammesshows werden im ganzen Land aufgeführt, die bekanntesten sind in Goroka und Mount Hagen zu sehen. Weitere Aktivitäten sind Trekking durch das Hochland oder durch den Dschungel, Relaxen in der Sonne in tropischen Ressorts, Tauchen an Korallenriffen und Schiffswracks, Boot fahren auf dem Fluss Sepik und natürlich Surfen.

Papua NeuguineaDurch diese Vielzahl an Aktivitäten, die das Land zu bieten hat, werden alle Reisenden zu begeistern sein – unabhängig davon, wie die Interessen im Einzelnen aussehen.

Die Anfänge des Surfens

Surfen wurde in PNG in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt, als eine Gruppe junger und enthusiastischer einheimischer Surfer um Andy Abel einen Verein in der Küstenstadt Vanimo im Norden des Landes gründete. Seitdem hat sich der Sport enorm weiter entwickelt, der nationale Sportbund hat den Surfsport offiziell anerkannt und das Land ist Mitglied in der International Surfing Association geworden. Die nationale Surf-Vereinigung mit Andy Abel als Präsident verfolgt einen eigenen Bottom-up-Ansatz, in dem die lokalen Gemeinschaften ihre jeweiligen Vereine managen und dadurch eng mit der nationalen Vereinigung zusammenarbeiten. Durch dieses System haben die lokalen Gemeinschaften direkten Kontakt zu Surf-Tourismus-Anbietern in beispielsweise Australien, Europa und Japan und bekommen so auch die damit verbundenen Gewinne – Profite, die den Menschen vor Ort zugute kommen.

Sind wir schon da?

Papua NeuguineaDie Surfmöglichkeiten in PNG sind unbegrenzt. Das ganze Jahr über laden die Bedingungen und das Klima ein, die zahlreichen Spots rund um das Hauptland und die Inseln zu surfen. Unsere Reise beginnt an einem großen europäischen Flughafen, von wo aus es nach Singapur geht. Nach dem 12-Stunden-Trip haben wir die Wahl: entweder mit der nationalen Fluglinie Air Niugini direkt nach PNG, in die Hauptstadt Port Moresby, oder mit Zwischenstop in Australien – wahlweise Cairns oder Brisbane – und täglichen Anschlussflügen in die Hauptstadt Papua-Neuguineas.

Papua NeuguineaAngekommen in Port Moresby werden wir ins Hotel gefahren. Auf dem Weg kommen wir an vielen Ständen vorbei, an denen Süßkartoffeln, Kokosnüsse, Zuckerrohr und der lokale Favorit, die Betelnuss, verkauft werden. Betelnuss ist der Samen der Areca Palme, der von den Einheimischen gekaut als Aufputschmittel genossen wird. Auf dem Weg ist die Vielzahl der einheimischen Völker sichtbar: Die Insulaner und Küstenbewohner haben weiche, Gesichtszüge, während die Einwohner aus den Bergregionen kantigere Gesichtszüge aufweisen, die ihre Kriegstradition widerspiegeln. Nach der Besichtigung von einigen Sehenswürdigkeiten und Kunstgallerien in Port Moresby wird es Zeit, sich auf den Spaß im Nass in den kommenden Tagen einzustellen.

Surf’s up

Papua NeuguineaAm frühen Morgen packen wir unsere Bretter, Wachs, unseren Erste-Hilfe-Kasten und Sonnencreme und fahren Richtung Süden, wo zehn Autominuten von der Stadt entfernt Sero Cove liegt, unser erster Surfspot. Dieser Reefbreak hat den besten Swell am frühen Morgen mit ein bis zwei Meter hohen Wellen, die von Juni bis September geordnet brechen. Sero Cove ist nur einer von vielen unentdeckten Spots an der südlichen Küste auf dem Weg nach Milne Bay, 100 Kilometer weiter am südöstlichen Ende von Papua-Neuguinea. Während zwischen Port Moresby und Milne Bay Reebreaks dominieren, findet man in Milne Bay auch Beachbreaks, die den weniger erfahrenen Surfern Möglichkeiten zum Training bieten. Darüber hinaus ist der Ort für sein jährliches Kanu-Festival bekannt: traditionelle Wettrennen, Tanz, Musik und Speisen. Nachdem wir die Südküste für einige Tage genossen haben, wird es Zeit, in den Flieger zu springen und nach Norden zu einem der Top-Surfspots zu jetten: nach Vanimo.

Papua NeuguineaVanimo liegt eineinhalb Flugstunden entfernt von Port Moresby und ist die Hauptstadt der Sundaun Provinz. Der kleine Küstenort liegt nur 30 Kilometer von der indonesischen Grenze entfernt und zieht das ganze Jahr über in erster Linie Surfer auf der Suche nach der perfekten Welle an. Die Wellen in Vanimo sind konstant zwischen Oktober und April, trotz der gelegentlichen Zwei-Meter-Swells, die auf den Strand treffen. Reef- und Pointbreaks machen den Surf für Anfänger und Fortgeschrittene attraktiv. Die sehr schöne Halbinsel, der tropische Regenwald, kristallklares Wasser und nahe gelegene Flugzeugwracks aus dem Zweiten Weltkrieg runden unseren Aufenthalt ab. Startet man den nördlichen Teil der Reise in Vanimo, liegen über 260 Kilometer Küstenstrecke zum Entdecken vor einem.

Papua NeuguineaAuf dem Weg entlang der Küste erreichen wir die kleine Stadt Wewak, die nicht weit entfernt von dem Ort liegt, an dem die japanische Armee 1945 kapitulierte. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges sind überall sichtbar, aber dieser Ort besticht weniger durch die Geschichte als durch die traumhafte Landschaft und fantastisches Wasser, unberührte Riffe und Palmen gesäumte Strände. Umgeben von 15 Inseln hat der Ort auch mehrere wunderschöne Surfspots, die während der Regenzeit ab September Anziehungspunkt sind. Einer der großen Vorteile: Wewak ist nie überfüllt und bietet gleichzeitig ziemlich konstante Wellen, die an Riffen brechen.

Papua NeuguineaUnsere Reise konnte Papua-Neuguinea nur kurz vorstellen. Das Land bietet selbstverständlich viel mehr, es ist voll mit Surfspots, Sehenswürdigkeiten und traumhaften Orten, die nur schwer in Worte zu fassen sind. Auf der Landkarte finden sich weitere Surfziele, die Surf- und Sportbegeisterten noch mehr Möglichkeiten bieten, die Schönheit des Landes zu erleben und einmal abzuschalten. Ein Beispiel ist Madang, südlich von Wewak an der Küste gelegen. Außerdem ist die Surfing Association stetig auf der Suche nach neuen Spots. Bougainville Island beispielsweise ist eine dieser Entdeckungen. Nach Jahren des bewaffneten Konfliktes wird die Insel heute als eine der Perlen der südlichen See bezeichnet. Aber nicht nur Wellenreiter kommen in PNG auf ihre Kosten – auch Anhänger des Kitesurfens, Windsurfens und Wakeboardens können ihre Leidenschaft ausleben. Kurzum: Das nächste Mal, wenn ihr euch nach Urlaub sehnt, während draußen der trübe, graue, europäische Winter kein Ende nehmen will, stellt euch vor, ihr liegt an einem Strand in Papua-Neuguinea, zur Linken eine Lagune, zur Rechten der Regenwald und geradeaus die perfekte Welle. Und dann setzt den Gedanken in die Tat um und macht euch auf in eines der letzten unentdeckten Surfparadiese!

Text: Konrad Borowiecki, nolimitadventures.eu

Übersetzung: Kathrin Hecht

Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Jason Pini, Surfing Association PNG

NO LIMIT ADVENTURES ist eine kleine, internationale Gesellschaft, die aus Menschen mit Leidenschaft für Reisen, Abenteuer und Sport besteht. Nachdem wir lange in Australien gewohnt haben, entdecken wir seit zehn Jahren den Reiz von PNG. In dieser Zeit ist es uns gelungen, die Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung, Unternehmen und Regierungseinrichtungen auszubauen. Das ermöglicht uns, das Land aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen und hilft uns, Reisen ab vom Mainstream zu ermöglichen.

(kat)

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