DVD-Review: Bra Boys
Durch die tolle Unterstützung von InsideXtreme.de werden wir in regelmäßigen Abständen DVD-Reviews veröffentlichen. Alle vorgestellten DVDs könnt ihr bei den Jungs vom InsideXtreme-Onlineshop bestellen, wo im Moment über 60 Surf-Filme auf euch warten. Den Anfang in der Review-Reihe macht die 2-Disc Special Edition von Bra Boys. Eure Meinung zum Film könnt ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Die DVD
Titel: Bra Boys – Blood Is Thicker Than Water
Dauer: Hauptfilm ca. 84 Minuten. Weitere 19 Clips auf der Bonus-DVD
Sprache(n): Englisch
Untertitel: Englisch, Spanisch
Lieferumfang: 2 DVDs, 54 Seiten Fotobooklet, Pappschieber
Release-Date: 12. August 2008
Film-Website: braboysfilm.comDVD kaufen bei InsideXtreme.de
“This is not a Surf Movie (It’s Also One of the Best Surf Movies Ever Made).” So heißt es selbstbewusst im Booklet zur DVD von Bra Boys. Ob Bra Boys wirklich kein Surf Film und dabei gleichzeitig einer der besten Surf Filme aller Zeiten ist, wollen wir in diesem Review klären.
Bra Boys ist als Dokumentation aufgemacht, vom Stil her vergleichbar mit Dog Town oder Billabong Odyssee, sprich eine Mischung von Archivmaterial diverser TV-Sender, dazu selbstgedrehte Sequenzen und Interviews mit den Protagonisten. Als Off-Kommentator ist Hollywood-Schauspieler Russel Crowe dabei, der allerdings nur selten zum Einsatz kommt und eher als PR-Gimmick gesehen werden sollte. Rein filmtechnisch wurde bei Bra Boys also das Rad nicht neu erfunden sondern auf altbewährtes zurückgegriffen.
Thema des Films ist die Geschichte und Entwicklung der Bra Boys, einer Art Surf-Gang aus dem Stadtteil Maroubra in Sydney/Australien, der für seinen extrem harten Localism berüchtigt ist. Es wird auf die Geschichte des Stadtteiles und seiner Einwohner eingegangen und anhand der Lebensläufe der Abberton-Brüder erfahren wir vom Kampf der Bra Boys gegen zerrüttete Elternhäuser, die Polizei und verfeindete Surf-Gangs. Man lernt das Leben kennen in einem Stadtteil, der keine großen Perspektiven für seine Jugendlichen bereit hält, wegen seiner Strandnähe aber die Möglichkeit gibt zum Surfer zu werden.
Kobe, Sunny und Jai Abberton gingen diesen Weg, wurden Surfer und verdienten ihren Lebensunterhalt mit dem wohl schönsten Sport der Welt. Doch ihr Umfeld, ihre Vergangenheit und die Gewalt in Maroubra blieben stets Teil ihres Lebens und brachten Kobe und Jai fast in lebenslange Haft. Jai wurde wegen Mordes und Kobe im Zuge der Ermittlungen u.a. als Mitwisser und wegen Falschaussage angeklagt. Gegen Kaution auf freiem Fuß entschloss sich Kobe im Verlauf der Verhandlungen gegen ihn, sich voll auf das Bigwave-Surfen zu konzentrieren und jagte großen Swells in Tahiti, Fiji und Australien hinterher. Am Ende stehen Freisprüche, sowohl für Kobe als auch für Jai und die wiedervereinten Brüder tun das, was sie am besten können: Surfen.
Short Facts
Regisseur: Sunny Abberton
Surfer: Kobe Abberton, Sunny Abberton, Jai Abberton, Richie Vas, Johnny Gannon, Jack Kingsley, Mark Matthews,…
Spots: Ours, Maroubra Beach, Cyclops, Cloudbreak, Teahupoo,…
Style: New School, Contest Surfing, Tuberiding, Big Wave Surfing
Film-Trailer: Klick
Meine Meinung zum Film ist zwiegespalten. Positiv sehe ich die Mischung aus Surf-Film und Dokumentation mit fester Handlung. So wirkt der Film trotz seiner fast 90 Minuten Laufzeit immer kurzweilig, was bei reinen New School Surf-Filmen oft nicht der Fall ist, wenn eine handvoll Dreamtour-Surfer auf perfekte Indowellen geschmissen werden und es ausschließlich um Surfaction geht.
Stichtwort Surfaction: Die ist einerseits beeindruckend, wenn es beispielsweise um Ours und insbesondere die dort erlebten Wipeouts geht. Andererseits sind solche Szenen die Ausnahme und alle Surfer im Film haben ganz klar nicht das Niveau von Kelly und Co. oder den Young Guns und auch unter den Big Wave Surfern zählen die Abbertons nicht zur Crème de la Crème und surfen weitaus weniger beeindruckendere Wellen als die Gerlachs, Parsons und Hamiltons dieser Welt.
Man muss es daher ganz offen sagen: Ohne die Rahmenhandlung (es gibt wohl nicht viel dramatischeres, als einen wegen Mordes angeklagten Protagonisten zu haben) wäre aus dem vorhandenen Material sicherlich überhaupt kein Film entstanden. Denn auch die “Härte” der Bra Boys, ihre Geschichte und ihr Lebensstil bilden für sich betrachtet keine Basis für einen erfolgreichen (Surf-) Film. Das was ein paar junge, am Rande der Gesellschaft stehende Surf-Gang-Mitglieder in Maroubra treiben, wäre ohne die Popularität des Jai Abberton Falles wohl auch für den Rest der (Surf-) Welt ziemlich uninteressant geblieben. Auf mich wirkt es auch eher peinlich, wenn Prügeleien am Strand gezeigt werden und dann die ewig gleiche Story von “respect the locals” erzählt wird. Man will es den Bra Boys nicht so recht abnehmen, dass sie die lieben, gerechten Jungs von nebenan waren, die nur draufhauen, wenn es der eigenen Verteidigung gilt, auch wenn dieses Image zu erzeugen versucht wird. Es ist falsch anzunehmen, dass in einem Film von den Bra Boys über die Bra Boys eine kritische Betrachtung des eigenen Handelns enthalten sein könnte. Das hätte dem Film aber sicher noch gut getan.
Ob man den Lebensstil der Bra Boys und so die vielen sich damit beschäftigenden Szenen im Film gut oder schlecht findet sei jedem Zuschauer selbst überlassen. Mein Verständnis von Surfen, Surfkultur und Surfen als Lebenseinstellung ist ein anderes, etwas gechillteres und gewaltloseres Verständnis
.
Nichtsdestotrotz finde ich, dass Bra Boys (auch wegen des ausgezeichneten Soundtracks) ein sehenswerter Film ist, weil die ca. 90 Minuten wie im Flug vergehen und keine Langeweile aufkommt. Die Bonus DVD und das Booklet sollten eher als nettes Add-On verstanden werden, da die Extra-Szenen nicht viel neues Material bringen, bzw. immer wieder mit Szenen aus dem Film unterlegt sind, wodurch sich die Minuten, die auf der Bonus-DVD effektiv wirklich neu sind am Ende doch sehr zusammenkürzen.
Um den Kreis zu schließen: Bra Boys ist sicher nicht einer der besten jemals gedrehten Surf-Filme, auch wenn die Medienresonanz gigantisch war. Surftechnisch werden keine Grenzen überschritten oder neue Standards gesetzt. Bra Boys ist aber durchaus ein interessanter Film auch für Zuschauer die keine direkte Verbindung zum Surfen haben. Als Dokumentarfilm schneidet der Film daher in meinen Augen auch besser ab als als Surf-Film.
Lineup-Wertung
Rahmenhandlung/Story: 6 / 10
Surf-Action/Style: 5 / 10
Soundtrack: 8 / 10
Kamera/Schnitt: 6 / 10
Bonusmaterial: 7 / 10
Gesamt: 6.4 / 10
(tmt)








