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10 Fragen an … Clemens Berger von Rip Curl

Clemens Berger - Rip Curl AsiaIn diesem Teil der “10 Fragen an …” Serie begrüßen wir wieder einen Vertreter der Surfindustrie. Clemens Berger aus Konstanz ist 31 Jahre jung und Marketing Manager für Rip Curl Asien. Das Interview wurde von unserem Redakteur Claas Röhl geführt.

Lineup: Hallo Clemens, wie schafft es ein Deutscher zum Marketing Manager von Ripcurl Asien zu werden? Wie lange hast du auf dieses Ziel hingearbeitet oder war es eine natürliche Entwicklung die sich ergeben hat?

Clemens: In Konstanz gibt es seit ein paar Jahren einen internationalen Management Studiengang der als Teil des Studiums ein Jahr Aufenthalt in Indonesien beinhaltet. Ich hatte gehört dass die Wellen in Indo echt gut sein sollen, also hab ich mich eingeschrieben. Während dem Auslandsjahr hab ich dann ein Praktikum bei Rip Curl in Bali gemacht, der Rest hat sich dann so ergeben. Es verwundert die Leute immer wieder einen
Deutschen in meiner Position vorzufinden. Mich wundert es irgendwie auch.

Lineup: Ein Job auf Bali, der noch dazu für eines der größten Surflabels der Welt ist, das klingt fast zu schön um wahr zu sein. Die Sonnenseiten deines Lebens sind offensichtlich. Gibt es denn auch etwas, was du nicht gut findest? Worin siehst du die größten Vorteile, worin die größten Nachteile in deinem Leben auf Bali?

Clemens: Der Verkehr, der Müll, die Korruption… Da können sich manche stundenlang drüber aufregen. Ich find in Bali zu leben auch trotz dieser Dinge gar nicht so schlecht. Hin und wieder muss man aber auch einfach mal wieder raus um zu begreifen wie gut man es eigentlich hat. Wenn jeden Tag die Sonne scheint, dann ist auch Regen mal ganz interessant. es kommt ja auch immer darauf an was man aus seiner Umgebung macht. Es gibt auch noch ganz viele andere Orte and denen ich gerne einmal Leben würde. Kanada wuüde mich zum Beispiel auch mal interessieren.

The Search 2008Lineup: Wann hast du mit dem Surfen begonnen? Welche Spots und welche Bedingungen sind deine Favourites?

Clemens: So richtig mit dem Surfen angefangen habe ich eigentlich erst, als ich nach Bali gezogen bin. Ich surfe meistens morgens vor dem Arbeiten, bevor die Touristen auftauchen und der Wind aufkommt. Meine Lieblingspots verrate ich nicht.

Lineup: Die Surfszene in Indonesien ist sehr jung, doch das Niveau der Locals ist schon sehr hoch. Was kannst du uns über die Entwicklung der Surfszene auf Bali erzählen?

Clemens: Die Tatsache das man auf Bali jeden Tag im Jahr gute Wellen finden kann hat die Entwicklung sehr
beschleunigt. Dazu kommen all die internationalen Surfer die die Szene immer wieder neu inspirieren und die Entwicklung weiter voran treiben. Mit der Entstehung der Indonesian Surfing Championshiptour vor 5 Jahren ist der Wettbewerbsaspekt mehr in den Vordergrund gerückt und Prosurfer zu sein, ist zu einer echten Karrieremöglichkeit geworden. Das Problem der balinesischen Surfer ist, dass sie nie ihre Insel verlassen wollen und deshalb auch nicht in den internationalen Wettbewerben auftauchen. Die nächste Generation mit Surfern aus Java, Sumbawa und den anderen Inseln wird diesen Bann hoffentlich brechen.

Lineup: Die Australier brachten den Surfvirus (wieder) nach Indonesien. Inwiefern haben die internationalen Teamrider von Rip Curl Einfluss auf die Entwicklung des indonesischen Teams? Wird zusammen trainiert? Wie werden die indonesischen Teamfahrer in ihrer Entwicklung von
Rip Curl unterstützt?

Clemens: Rip Curl steckt viel Zeit und Geld in die Förderung und Entwicklung der nächsten Generation von indonesischen Surfern. Unser Ziel ist es, einen indonesischen Surfer in die ASP World-Tour zu bringen.
Das Programm reicht von internationalen Boot-Trips bis zu internationalen Trainings-Camps in Hawaii und Australien. Oney Anwar aus Sumbawa ist gerade für ein Jahr nach Australien gezogen um an einer elite Surfschule in an der Gold Coast zu trainieren. Viele – vor allem jüngere – Teamfahrer wie zum Beispiel Koa Smith haben sich für Rip Curl entschieden, weil das weltweite Support Netzwerk sehr gut ist und man überall in der Welt auf diesen Support zählen kann.

The Search 2008Lineup: Bleiben wir noch kurz bei Rip Curl. Ihr habt mit eurem Search-Format in den letzten Jahren viel Schwung in den Contest Zirkus gebracht und den Entdecker-Spirit des Surfen mit einem Contest Format in Einklang gebracht. Ist der Contest in Uluwatu in diesem Jahr nicht ein Bruch zu den bisherigen Locations gewesen?

Clemens: Wenn Du mit Bruch meinst, dass Uluwatu keine “unentdeckte” Welle war, dann hast du sicher Recht. Uluwatu wurde ausgewählt, weil es fuer den Ursprung der SEARCH steht. Hier hat damals alles angefangen. Die Surfer in Australien haben von dieser perfekten Welle in warmem Wasser gehört und sich auf den Weg gemacht um diese Welle zu finden. Indonesien war ausserdem seit 10 Jahren von der ASP aus Sicherheitsgründen gesperrt. Uluwatu erschien einfacher abzusichern. In erster Linie ging es darum die ASP nach Indonesien zurück zu bekommen. Es gibt natürlich noch viele “unentdeckte” Wellen in Indonesien aber mit so einer richtigen Dschungellocation hätten sich wohl weder die ASP noch die Surfer einverstanden erklaert.

Lineup: Wie kann  man sich die Organisation der Search Events vorstellen? Gibt es ein eigenes Team bei Rip Curl oder bringt sich jede Rip Curl Region selbst mit ein?

Clemens: Rip Curl hat ein globales Search-Team, das für die Comp angereist kommt und dann zusammen mit der ASP den Contest managed. Die Vorbereitung und der Support vor Ort wird von den lokalen Rip Curl Teams in der jeweiligen Region übernommen.

Lineup: Mick Fanning hat eine großartige und beeindruckend konstante Saison 2006/2007 gesurft. Sein WM Titel machte ihn in Australien zum absoluten Medienstar und zu einem modernen Volkshelden. Wie würdest du ihn charakterisieren?

Mick & Kelly in IndoClemens: Mick ist ein Hochleistungsathlet der sehr hart trainiert und der es aber auch versteht im richtigen Moment loslassen zu können und einfach nur abfzufeiern. 2008 war verletzungsbedingt weniger erfolgreich aber irgendwann muss auch Kelly wieder verlieren.

Lineup: Apropos Kelly. Das Jahr 2008 steht bislang unter der Alleinherrschaft von Kelly Slater. Wie erklärst du dir, dass ein 36-jähriger Surfer die ersten 5 Tourstops keinen Heat gegen einen Top 45 Surfer verloren hat?

Clemens: Kelly ist einfach ein verdammt guter Surfer. Sein Alter bringt ihm die Erfahrung und die Ruhe die nötig ist, um so zu surfen wie er es tut. Kelly ist extrem motiviert. Je mehr Druck er verspürt und je mehr Leute zuschauen, desto besser surft er. Er hat sehr viel für den Surfsport erreicht und wird mit Sicherheit auch in Zukunft noch viel für den Sport tun. Wie man in der Pro Search gesehen hat, ist aber auch Kelly nicht unschlagbar.

Lineup: Mick Fanning gilt als Vollprofi und Arbeitstier. Jemand der sich gewissenhaft auf jeden Contest vorbereitet und hart trainiert. Mehr und mehr Surfer scheinen sich ein Beispiel daran zu nehmen und reisen
mit eigenem Fitness-Coach und Ernährungsberater um die Welt. Ein Kelly Slater reist in letzter Minute an, weil er vorher ein Promi-Golf Turnier gespielt hat und gewinnt trotzdem. Hat er so viel mehr Talent, oder sind das bloss mind games, die er gerne spielt? Trainiert er in Wirklichkeit mehr als er uns glauben lassen will?

Clemens: Es stimmt, dass Kelly oft einfach nur auftaucht und abgeht. Padang Padang ist Kelly am ersten Tag der Pro Surf zum ersten Mal in seinem Leben gesurft und hat absolut dominiert. Es wäre aber dennoch falsch zu glauben dass Kelly alles alleine schafft. Sein Support-Team im Hintergrund ist immer schwer damit beschäftigt den King so scheinbar reibungslos durch die Welt zu schicken.

(clr)

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